Politik

Angebliche Plagiatsopfer sehen keine Schummeleien Wissenschaftler springen Lammert bei

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Norbert Lammert hat die Prüfung seiner Arbeit bei der Uni Bochum selbst angeregt.

(Foto: dpa)

Seit den Enthüllungen von Plagiatsjäger "Robert Schmidt" wird der Name Norbert Lammert in einer Reihe mit Annette Schavan, Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin genannt. Zu Recht? Wissenschaftler, von denen der Bundestagspräsident abgeschrieben haben soll, finden das nicht.

Noch ist vieles unklar im Fall Norbert Lammert. Doch es zeichnet sich ab, dass sich aus dem neuen Fall von angeblicher Doktorschummelei nicht ein solch großer Skandal entwickeln könnte wie bei vorangegangenen Enthüllungen: Plagiatsjäger "Robert Schmidt" wirft dem Bundestagspräsidenten vor, bei seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht zu haben. Opfer des Ideenklaus, mehrere noch aktive Politologen, stellen sich dagegen demonstrativ vor Lammert.

In der "Süddeutschen Zeitung" sagt der Wissenschaftler Wolfgang Jäger, "Schmidt" habe eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt. "Der hat nicht seriös gearbeitet", sagt er. So sei der Vorwurf, Lammert zitiere aus einem Buch, das frei erfunden ist, aus der Luft gegriffen.

Tatsächlich sei es so gewesen: Lammert bediente sich offenbar bei Jäger, der aus dem fraglichen Werk "W. Gagel (Hrsg.), Zur Rolle und Funktion der Parteien" zitiert. Tatsächlich aber heißt der Band "Politische Parteien im parlamentarischen System", Lammert hätte es - ebenso wie "Schmidt" - rasch finden können.

Das fragliche Werk existiert also, Lammert hat lediglich den Titel falsch wiedergegeben. In den Augen Jägers, jahrelang Rektor der Universität Freiburg, ist es ein "Witz", Lammert diesen Lapsus vorzuhalten. Ein Lapsus übrigens, den Jäger ausdrücklich auf seine Kappe nimmt.

Wie frei darf ein Autor zitieren?

Auch von vom Politologen Hans-Otto Mühleisen soll Lammert abgeschrieben haben, behauptet "Schmidt". Mühleisen kann das jedoch nicht bestätigen: "Ich kann bisher nichts erkennen, was auf ein Plagiat schließen lässt", sagte der emeritierte Professor der Uni Augsburg.

Von Mühleisen soll Lammert im Theorieteil seiner Arbeit über "Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung", die anhand eines CDU-Kreisverbands dargelegt werden, plagiiert haben. Tatsächlich verhält es sich aber so: Lammert schreibt nicht von Mühleisen wörtlich ab, sondern gibt dessen Gedanken dem Sinn nach wieder. Mühleisen als Urheber wird erwähnt, und zwar in einem Umfang, den das vermeintliche Plagiatsopfer angemessen findet.

"Schmidt" erklärt sich für unparteiisch

In der "Welt" hält sich "Schmidt" indessen weiter bedeckt über seine wahre Identität. Er will weiter anonym bleiben: "Ich möchte nicht in der Öffentlichkeit stehen", sagte er. Den Vorwurf, eine politische Agenda zu verfolgen, weist er von sich. "Ich hätte zum Beispiel auch wissenschaftliches Fehlverhalten prominenter SPD-Mitglieder öffentlich gemacht, aber das hat sich nicht so ergeben."

Wie die Plagiatssuche im Fall Lammert endet, ist noch völlig offen: Die Uni Bochum prüft den Fall, auch "Robert Schmidt" will weitere Belege für seine Vorwürfe suchen. "Schmidt" geht mit einigen Vorschusslorbeeren in den Kampf: Er hat die Plagiatsaffäre um Ex-Bildungsministerin Annette Schavan ins Rollen gebracht. Und Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder lobt bei n-tv.de die Fähigkeiten "Schmidts". Es geht also um die Ehre - sowohl für den Nürnberger Blogger als auch für Lammert.

Quelle: ntv.de, jog