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Die Hemmschwelle sinkt Zahl der Angriffe auf Juden steigt

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Düstere Erinnerung an das Konzentrationslager Auschwitz: ein geschändeter polnischer Friedhof.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Gründe sind vielfältig, doch das Ergebnis ist eindeutig: Wissenschaftler aus Israel verzeichnen immer mehr Attacken auf Juden oder jüdische Einrichtungen. Und dabei handelt es sich nicht nur um Raufereien. Immer wieder greifen die Täter zu Waffen.

Zwischen 2011 und 2012 ist die Zahl der Angriffe auf Juden oder jüdische Einrichtungen um 30 Prozent gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kantor Centers der Universität Tel Aviv. Die Wissenschaftler registrierten 2011 genau 526 antisemitische Gewaltakte. 2012 waren es 686.

273 der Angriffe des vergangenen Jahres trafen Personen, bei 50 davon kamen Waffen zum Einsatz. Zudem verzeichneten die Wissenschaftler 190 Attacken auf Synagogen, Friedhöfe und Gedenkstätten. Zu diesen Vorfällen kam es vor allem in Ländern mit vielen jüdischen Einwohnern, also Frankreich, USA, Großbritannien, Kanada und Australien.

Finanzkrise beschert Rechten mehr Zuspruch

Das Kantor Center macht drei Ursachen für die starke Zunahme der Gewaltakte aus. Erstens: Der islamistische Mordanschlag auf Schüler und Lehrer einer Torah-Schule in Toulouse hat in Frankreich die Hemmschwelle bei Antisemiten gesenkt. Zweitens: Durch die Wirtschaftskrise sind in Ungarn, Griechenland und der Ukraine rechtsextremistische Parteien in den Parlamenten gestärkt worden, die öffentlich Hetzreden gegen die Jüdischen Gemeinden hielten. Drittens: Die zugespitzte Lage im Gazastreifen im November hat zu einem - zeitlich allerdings begrenzten - Anstieg von Angriffen auf Juden und jüdische Institutionen geführt.

Die Wissenschaftler widmen sich in ihrer Studie zudem in einer umfangreichen Passage den Debatten in Deutschland um ein Gedicht, in dem Günter Grass die Iranpolitik der israelischen Regierung kritisierte, und um die Bezichtigungen des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, die Kommentare des Publizisten Jakob Augstein seien antisemitisch. Die Tel Aviver beschränken sich allerdings darauf, die unterschiedlichen Positionen bei der exakten Abgrenzung von politischer Israelkritik und Antisemitismus darzustellen.

Quelle: n-tv.de, AFP

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