Politik

Aufnahme von Moria-Geflüchteten Zehn deutsche Städte wollen helfen

Eine europäische Lösung für den Umgang mit der Feuerkatastrophe in dem Flüchtlingscamp Moria gibt es (noch) nicht. Tausende Gefüchtete harren weiter auf der Insel Lesbos aus. Zehn Stadtoberhäupter in Deutschland wollen nicht länger tatenlos zusehen.

Die Stadtoberhäupter von zehn großen deutschen Kommunen haben in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer ihre Bereitschaft erklärt, Geflüchtete aus dem großteils abgebrannten Lager Moria aufzunehmen. In dem Schreiben appellieren sie an Merkel und Seehofer, dafür den Weg zu ebnen, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet.

Der Brief wurde demnach von den Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern von Bielefeld, Düsseldorf, Freiburg, Gießen, Göttingen, Hannover, Köln, Krefeld, Oldenburg und Potsdam unterzeichnet. Die Stadtoberhäupter bekräftigten darin ihre Bereitschaft, "einen humanitären Beitrag zu einer menschenwürdigen Unterbringung der Schutzsuchenden in Europa" zu leisten: "Wir sind bereit, Menschen aus Moria aufzunehmen, um die humanitäre Katastrophe zu entschärfen."

Das Bundesinnenministerium lehnt es bislang ab, Flüchtlinge aus Griechenland im deutschen Alleingang aufzunehmen. Es fordert eine gemeinsame europäische Initiative. CSU-Politiker Seehofer steht deswegen aber unter starkem innenpolitischen Druck. Der Koalitionspartner SPD unterstellte ihm eine Blockadehaltung.

Christdemokratin Merkel kündigte inzwischen an, dass Deutschland ebenso wie Frankreich minderjährige Geflüchtete aus Moria aufnehmen werde. Aus Verhandlungskreisen hieß es, es gehe um die Verteilung von rund 400 Kindern und Jugendlichen innerhalb der Europäischen Union. In dem Flüchtlingslager - dem größten der EU - lebten vor den Bränden allerdings rund 12.700 Menschen.

"Gleiche Menschenwürde wie wir hier in Europa"

Die zehn Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister zeigten sich laut RND in ihrem Schreiben "entsetzt darüber, dass es der Europäischen Union trotz vielfacher Warnungen nicht gelungen ist, diese Eskalation in Moria zu verhindern und die menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern an den europäischen Außengrenzen fortbestehen".

Die Stadtoberhäupter betonten, europaweit seien Kommunen zur Mithilfe bei der Aufnahme der Flüchtlinge bereit. Dies müsse ermöglicht werden. "Lassen Sie uns den Menschen aus Moria die Würde zurückgeben, die ihnen anderswo genommen wurde", heißt es dem RND zufolge in dem Schreiben. Nach den Bränden in dem auf der Ägäis-Insel Lesbos gelegenen Lager sind weiterhin Tausende Geflüchtete ohne Unterkunft und Nahrung auf sich alleine gestellt. Die Ursache der Feuer ist nach wie vor unklar.

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Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker und Kandidat für den Parteivorsitz, warb in der ARD für die Forderung von 16 Unions-Abgeordneten, 5000 Geflüchtete aus Griechenland aufzunehmen. "Jeder Flüchtling, der im Dreck in Moria sitzt, zum Teil seit Jahren, hat die gleiche Menschenwürde wie wir hier in Europa", sagte Röttgen.

Wenn 5000 Betroffene in Deutschland und anderen europäischen Staaten aufgenommen würden, sei dies eine "wirkliche Entlastung" für die Lage vor Ort. Es handle sich auf Lesbos um "nackte, menschliche Not". Röttgen hatte den Vorstoß der Unions-Abgeordneten ebenfalls unterzeichnet.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa