Politik

Nach Massaker an 43 Studenten Zehntausende Mexikaner demonstrieren

2014-10-09T050455Z_687847435_GM1EAA9108H01_RTRMADP_3_MEXICO-VIOLENCE.JPG6359853536849045577.jpg

Demonstranten in Guadalajara.

(Foto: REUTERS)

An Gewalt sind viele Mexikaner gewöhnt. Ständig hören sie von Morden im Drogenkrieg. Doch das Massaker an 43 Studenten macht viele nur noch wütend. Sie demonstrieren zu Zehntausenden.

Tausende Mexikaner sind fassungslos über das Verschwinden von 43 Studenten. In Massen strömen sie auf die Straßen und fordern lautstark Aufklärung. In Mexiko-Stadt zogen am Mittwoch über 15.000 Menschen vom Unabhängigkeitsdenkmal zum zentralen Platz Zócalo. "Wo sind sie, wo sind sie, wo sind unsere Kinder", skandierten die Demonstranten, unter denen auch Angehörige der Opfer waren.

2014-10-09T043523Z_890979470_GM1EAA90YWK01_RTRMADP_3_MEXICO-VIOLENCE.JPG6066580458141519563.jpg

"Lebend nahmen sie sie mit, lebend wollen wir sie zurück", steht auf dem Schild.

(Foto: REUTERS)

Vor knapp zwei Wochen waren nach Zusammenstößen zwischen Studenten und der örtlichen Polizei in Iguala im Bundesstaat Guerrero 43 junge Leute verschwunden. Mittlerweile entdeckten Ermittler 28 zum Teil verbrannte Leichen. Zwei Mitglieder der Verbrecherorganisation "Guerreros Unidos" räumten den Mord an 17 Studenten ein, auch Polizisten sollen in die Tat verwickelt sein. Ob es sich bei den Toten tatsächlich um die Verschleppten handelt, ist bislang unklar. In Guerreros Provinzhauptstadt Chilpancingo gingen etwa 10.000 Menschen auf die Straße. Mexikaner in aller Welt, auch in Madrid und Berlin, protestierten ebenfalls.

"Lebend habt ihr sie genommen, lebend wollen wir sie zurück", riefen die Demonstranten. Im Bundesstaat Chiapas zogen rund 20.000 Anhänger der zapatistischen Guerillagruppe EZLN in einem Schweigemarsch durch die Stadt San Cristóbal de las Casas. Die Vermummten trugen Transparente mit der Aufschrift: "Ihr seid nicht allein. Euer Schmerz ist unser Schmerz."

Kommilitonen: Regierung ist schuld

Warum die Studenten verschwanden, ist unklar. Es gibt Hinweise, dass die Frau des Bürgermeisters von Iguala ein hartes Vorgehen gegen die Angehörigen eines linken Lehrerseminars angeordnet hat.

Zahlreiche örtliche Polizisten sollen zudem im Sold der "Guerreros Unidos" stehen. Nach dem Massaker übernahmen die Streitkräfte und die Bundespolizei die Kontrolle in Iguala. Die Beamten der städtischen Polizei wurden entwaffnet und zum Verhör in eine Kaserne gebracht, wie der Nationale Sicherheitsbeauftragte Monte Alejandro Rubido sagte.

Kommilitonen und Angehörige der Studenten machen hingegen die Regierung für die Tat verantwortlich. "Wir schreiben die Verschleppung unserer Kollegen dem Staat zu", sagte Studentenvertreter Omar García. Die für ihre sozialen Proteste bekannten Seminaristen seien dem Staat ein Dorn im Auge. Der Sprecher der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Perseo Quiroz, sagte, die mexikanischen Behörden würden seit mehr als einem Jahrzehnt die Augen verschließen, wenn Menschen verschwinden oder ihnen Gewalt angetan werde. Bevor sie verschleppt wurden, hatten die Studenten gegen eine umstrittene Bildungsreform protestiert.

Nach einer Protestaktion vor rund einer Woche waren in der Stadt Iguala 43 Studenten verschwunden. Jetzt gestanden zwei Mitglieder der kriminellen Organisation "Guerreros Unidos" den Mord an 17 Verschleppten. Insgesamt wurden in einem Massengrab am Stadtrand 28 Leichen entdeckt. Den Auftrag sollen der städtische Sicherheitsdirektor und der regionale Bandenchef erteilt haben. Laut den Zeugen stehen zahlreiche Beamte der städtischen Polizei von Iguala auf der Gehaltsliste der "Guerreros Unidos".

Quelle: ntv.de, vpe/dpa