Politik

Bosnien-Herzegowina trauert Zehntausende in Srebrenica

Mehr als 30.000 Menschen haben des Massakers im ostbosnischen Srebrenica der Opfer gedacht. Auf dem Gedenkfriedhof Potocari wurden weitere 308 identifizierte Opfer beigesetzt, das jüngste war zum Zeitpunkt seiner Ermordung 15 Jahre alt, das älteste 84. Die Zahl der dort Beerdigten stieg damit auf 3215. Weitere etwa 5000 Opfer warten noch auf die Identifizierung. Serbische Truppen hatten nach der Eroberung der damaligen UN-Schutzzone am 11. Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer getötet. Der Tag ist in Bosnien-Herzegowina Staatstrauertag.

"Hier wurde ein Völkermord begangen, und das hat auch das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag festgestellt", sagte Haris Silajdzic, Vorsitzender des Präsidiums des Balkanstaates. Er verlangte größeren internationalen Druck auf Serbien, um zu erreichen, dass der damalige Serbenführer Radovan Karadzic und dessen Armeechef Ratko Mladic an die Justiz ausgeliefert werden. Die beiden für das Massaker verantwortlichen Männer sind seit fast zwölf Jahren auf der Flucht.

Schmerz und bittere Lehre

Abdurahman Malkic, Bürgermeister der Stadt, gedachte des Verbrechens mit "riesigen, unermesslichen Schmerz". Srebrenica sei aber nicht nur ein Symbol des Grauens und Leidens, sondern auch des Friedens und des Fortschritts, sagte er.

An der Trauerfeier nahmen keine Vertreter der bosnischen Serben teil. Anwesend waren aber Mitglieder von Friedensgruppen aus Serbien. Auch der serbische Präsident Boris Tadic gedachte der Toten. "Die Opfer von Srebrenica sind eine dauerhafte Mahnung, dass allen vom UN-Tribunal angeklagten Kriegsverbrechern der Prozess gemacht werden muss", hieß es in einer in Belgrad veröffentlichten Stellungnahme.

Schwerstes Kriegsverbrechen nach 1945

Das Massaker von Srebrenica ist das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Am 11. Juli 1995 eroberten bosnisch-serbische Truppen die von Muslimen bewohnte Stadt, obwohl sie UN-Schutzzone war. Kampflos überließ ein kleines Kontingent niederländischer Blauhelme den etwa 2000 gut ausgerüsteten Angreifern unter General Ratko Mladic die Stadt. Rund 8000 Muslime wurden abgeführt, die meisten erschossen und in Massengräbern verscharrt. Frauen und Kinder wurden deportiert. Radovan Karadzic gilt als Hauptverantwortlicher.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und der Internationale Gerichtshof haben das Massaker von Srebrenica als Völkermord bezeichnet. Es gibt aber erst ein rechtskräftiges Urteil wegen Beihilfe zum Völkermord in Srebrenica: Radislav Krstic, ehemaliger Kommandeur des Drina-Korps, das maßgeblich an der Eroberung der Stadt beteiligt war, wurde in Den Haag zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Quelle: ntv.de