Politik

"Wir berichten einfach weiter" Zeitung plant neue Snowden-Enthüllungen

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Auch wenn Festplatten in seiner Redaktion zerstört wurden - "Guardian"-Chef Rusbridger lässt sich nicht beirren.

(Foto: Reuters)

Die Journalisten des britischen "Guardian" lassen sich nicht einschüchtern. Sie wollen weiter berichten, wie umfangreich Staaten die Kommunikation ihrer Bürger bespitzeln. Diese Arbeit wollen sie verstärkt aus den USA erledigen, kündigt der Chefredakteur an. Denn von seinen Landsleuten ist er enttäuscht.

Die britische Zeitung "The Guardian", die zuerst über die brisanten Dokumente Edward Snowdens berichtete, will sich nicht von der Regierung zurückpfeifen lassen. "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger kündigte an, künftig vor allem von den USA aus die massiven staatlichen Überwachungsprogramme des Geheimdienstes NSA zu recherchieren. "Wir berichten einfach weiter. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in Amerika gegen den 'Guardian' vorgehen wird", sagte Rusbridger in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

In den vergangenen Wochen hatte die britische Regierung Druck auf die Zeitung ausgeübt, um weitere Berichte über die Bespitzelung durch Staatsorgane zu verhindern. Unter anderem kamen Geheimdienstmitarbeiter in die Redaktion, um die Zerstörung von Festplatten anzuweisen. Darauf vermuteten sie Dokumente von Edward Snowden, der Informationen über die NSA an den "Guardian" weitergab und somit den Spähskandal enthüllte. Beim zweifelhaften Vorgehen der Geheimdienstler soll auch Premierminister David Cameron eine wichtige Rolle gespielt haben. Er stachelte sie möglicherweise an, entschieden gegen den "Guardian" zu Werke zu gehen.

"Es beruhigt mich mehr, aus Amerika zu berichten"

Obwohl dies ein schlechtes Licht auf die USA wirft, ist es laut Rusbridger sicherer für den "Guardian" von dort zu berichten - und nicht aus Großbritannien. Die amerikanische Regierung habe versichert, sie werde nicht gegen Journalisten vorgehen, die Journalismus betrieben. "Ich will nicht selbstgefällig sein, aber es beruhigt mich mehr, aus Amerika zu berichten als aus dem Vereinigten Königreich."

Zugleich wundert sich Rusbridger über das Desinteresse der meisten Bürger. Insbesondere in Großbritannien gebe es kein großes Interesse daran, sich über die Überwachung der Kommunikation zu informieren. "Die Menschen scheinen nicht zu verstehen, dass die Polizei die Tür gar nicht erst einschlagen muss. Sie ist schon in ihren Häusern", sagte Rusbridger.

Quelle: ntv.de, jtw