Politik
Mittwoch, 16. Februar 2011

Anja Hajduk: Zielstrebige Schnellstarterin

Die Niederlage in Sachen Moorburg hat Anja Hajduk nicht geschadet. Im Gegenteil: sie führt die Grün-Alternative Liste als Spitzenkandidatin im Hamburger Wahlkampf. Die Finanzexpertin kam erst vergleichsweise spät zur Politik und erarbeitet sich in kürzester Zeit einen Ruf als kompetente und faktensichere Politikerin.

Die Entscheidung, das Kohlekraftwerk Moorburg zu genehmigen war für Hajduk nicht einfach, aber sie hofft, dass "die Menschen das verstehen".
Die Entscheidung, das Kohlekraftwerk Moorburg zu genehmigen war für Hajduk nicht einfach, aber sie hofft, dass "die Menschen das verstehen".(Foto: picture alliance / dpa)

"Danke für Moorburg" - mit diesen Worten hatten Unbekannte einige der Wahlplakate von Anja Hajduk überklebt. Der vermeintliche Dank an eine grüne Politikerin für ein Kohlekraftwerk im Hamburger Stadtteil Moorburg ist selbstverständlich sarkastisch gemeint. Die Grün-Alternative Liste (GAL) war bei der letzten Bürgerschaftswahl 2008 angetreten, eben dieses Großprojekt zu verhindern - bald darauf musste Hajduk es als Umweltsenatorin selbst genehmigen, eine Niederlage, wie sie selbst sagte. Geschadet hat das ihrer weiteren Karriere bei der GAL nicht. Im Gegenteil führte die 47-Jährige nach dem vorzeitigen Aus für Schwarz-Grün ihre Partei im Wahlkampf für die vorgezogenen Neuwahlen zur Bürgerschaft.

Die studierte Psychologin Hajduk kam erst relativ spät zur Politik, startete dort aber umso schneller durch. Als sie 1997 erstmals in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt wurde, war sie erst seit zwei Jahren Mitglied der GAL. Schwerpunkte setzte sie bei den Themen Haushalt und Finanzen und erarbeitete sich schnell auf Landes- wie später auch auf Bundesebene einen hervorragenden Ruf als kompetente, faktensichere und akribisch arbeitende Politikerin.

Unscheinbar, aber zielstrebig

Nach der Abwahl von Rot-Grün in Hamburg 2001 und dem Tod der damaligen GAL-Vorsitzenden Kristin Heyne wählten die Grünen die eher unscheinbare, aber als zielstrebig und beharrlich geltende Hajduk 2002 zur Landeschefin. Zugleich kürten sie sie zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Auch in Berlin prägte sie die haushaltspolitische Linie ihrer Fraktion. Ihr gefalle dieses Politikfeld, "weil man einen Überblick über alle Fachressorts bekommt und weil es auch mit Einfluss- und Machtverteilung zu tun hat", sagte sie einmal.

Die Aussicht auf die Regierungsmacht in Hamburg holte Hajduk 2008 von der Spree zurück an die Elbe. Die zuvor allein regierende CDU mit Bürgermeister Ole von Beust brauchte einen Partner zum Regieren. Bei den wochenlangen Koalitionsverhandlungen beeindruckte die aus Duisburg stammende Hajduk die Christdemokraten mit ihren breiten und detaillierten landespolitischen Kenntnissen. Am Ende stand die erste schwarz-grüne Koalition auf Länderebene, Anja Hajduk zeichnete künftig als "Super-Senatorin" für Stadtentwicklung und Umwelt verantwortlich.

Als im Sommer 2010 von Beust als Bürgermeister zurücktrat und die schwarz-grüne Schulreform mit einer sechsjährigen Primarschule am Widerstand der Bürger scheiterte, war das der Anfang vom Ende des Bündnisses. Nach mehreren personellen Wechseln der CDU in Senatorenämtern kündigten die Grünen im November die Koalition auf. Kraft und Stabilität für wichtige Zukunftsentscheidungen hätten zuletzt gefehlt, sagte Hajduk.

Grüne erwarten Rekordergebnis

Nach den ersten Prognosen, die weit unter den erhofften Rekordwerten lagen, blickte Hajduk mit "gemischten Gefühlen" auf das Ergebnis der Bürgerschaftswahl. Vilelleicht hatte der Fakt, dass viele Wahlziele von 2008 nicht umgesetzt werden konnten, die Wähler doch zu sehr verärgert. Hajduk hatte noch vor der Wahl gehofft, die Menschen würden schwierige Entscheidungen wie über das Kohlekraftwerk in Moorburg verstehen.

Die zu erwartende absolute Mehrheit der SPD lässt ihre Träume von einer rot-grünen Koalition platzen. Dabei ist das ein Hajduksches Erfolgsmodell - eine "rot-grüne" Liaison hat sich privat nämlich bereits bewährt: Sie lebt mit der ehemaligen Hamburger Schulsenatorin Ute Pape von der SPD zusammen.

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Quelle: n-tv.de