Politik

Israels Ultrarechte und die Hamas Ziemlich beste Freunde

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(Foto: REUTERS)

Sie kultivieren ihren Hass und ertränken den Nahen Osten einmal mehr im Blut Unschuldiger. Die Extremisten in beiden Lagern sind auf dem Vormarsch: Leid ist ihr Kapital, jeder neue Tote radikalisiert die Massen zugunsten von Hamas und ultrarechten Israelis.

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Avigdor Lieberman: ein Hardliner, wie er im Buche steht.

(Foto: AP)

Avigdor Lieberman ist ein Freund endgültiger Lösungen. Die Sache mit den Palästinensern zum Beispiel schmeckt dem israelischen Außenminister gar nicht: 1450 Luftangriffe im Gaza-Streifen in den vergangenen acht Tagen? Weit entfernt von Liebermans alter und doch so aktueller Forderung, "in Gaza keinen Stein auf dem anderen" zu lassen. Am liebsten wäre dem  Vorsitzenden der ultrarechten Unser-Haus-Israel-Partei wohl immer noch, wie 2009 im Gaza-Krieg angedeutet, eine handliche Hiroshima-Bombe, um im Gazastreifen aufzuräumen - aber weil das dann doch irgendwie den Rahmen sprengen würde, täte es in diesen Tagen auch eine massive Bodenoffensive. Noch sträubt sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dagegen, israelische Soldaten nach Gaza zu schicken - doch Liebermans bester Freund arbeitet mit Hochdruck daran, dass sich das schnellstmöglich ändert.

Die Rede ist von Mohammed Deif, dem Anführer des bewaffneten Arms der radikalislamischen Hamas - auch wenn man das mit dem besten Freund natürlich nicht wörtlich nehmen darf. Der Mann ist ein echtes Phantom: Mindestens vier Mal sprang der begabte Bombenbauer dem Tod in Form des israelischen Geheimdienstes von der Schippe. Deif war es auch, der die berüchtigte Kassam-Rakete konstruierte, die gerade wieder in einer modernisierten Version auf israelisches Gebiet regnet. Genau wie Lieberman auf der anderen Seite liebt er endgültige Lösungen, auch wenn sich die aus seinem Mund etwas poetischer anhören: "Ihr (die Juden, Anm. d. Red.) wandelt auf dem Pfad der Auslöschung", wird er im offiziellen Hamas-Booklet zum 23-jährigen Jubiläum 2010 zitiert. Seit mehr als einer Woche terrorisieren seine Brigaden zusammen mit dem Islamischen Dschihad die israelische Bevölkerung, Hunderte Raketen flogen seitdem über die Grenze.

Zwölfjährigem Jungen ins Gesicht geschlagen

Am Mittwoch hatten drei Geschosse zum ersten Mal auch eines der beiden israelischen Kernkraftwerke zum Ziel. Auch wenn das "Iron Dome"-Abwehrsystem die Raketen bereits im Luftraum über Dimona neutralisierte - solche Angriffe haben Symbolwirkung und spielen den Ultrarechten auf der israelischen Seite in die Hände. Spätestens seit der Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen greift die Radikalisierung der Bevölkerung auf immer größere Bevölkerungsschichten über: "Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken", wird Lieberman nicht müde zu fordern. Und die Bevölkerung ist mehr und mehr dazu bereit, dem Hardliner zu folgen, während Netanjahu - selbst nicht unbedingt ein Kandidat für den Friedensnobelpreis - die Felle davonschwimmen.

Liebermans schonungslos brutale Sicht auf die Welt offenbart eine Geschichte aus der jüngeren Vergangenheit des Außenministers: Vor einigen Jahren attackierte ein zwölfjähriger Junge den Sohn des Politikers. Lieberman spürte den Jungen auf, schlug ihm ins Gesicht und drohte dem Kind mit noch Schlimmerem, falls er ihn jemals wieder in der illegalen Siedlung namens Nokdim sehen würde, in der Lieberman im besetzten Westjordanland wohnt. Israelische Extremisten führen Liebermans Weltsicht mit der Ermordung von Mohammed Abu Chder in einer konsequenten, aber pervertierten Linie weiter: Sie verbrannten den 16-jährigen Palästinenser bei lebendigem Leib - aus Rache an der Ermordung der drei israelischen Jugendlichen.

Abbas, der "Mega-Terrorist"

Doch Liebermans Partei ist nicht allein: Der engste Partner von Unser Haus Israel ist Naftali Bennett mit seiner Siedlerpartei. Auch Bennett sitzt in der Regierung, als Handelsminister - und auch Bennett steht Liebermann in puncto radikale Positionen in nichts nach: Den gemäßigten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas bezeichnete er als "Mega-Terroristen", einen Einmarsch befürwortet auch der Vordenker der Siedlerbewegung. Genau wie die Hamas die Juden aus Israel vertreiben möchte, möchte Bennett die Palästinenser aus Palästina vertreiben. "Die Siedlerpartei verfolgt letztendlich die gleichen Ziele wie die Hamas", konstatierte der Knesset-Abgeordnete Amram Mizna von der gemäßigten Hatnua-Partei folgerichtig im israelischen Rundfunk - und wurde dafür von manchen israelischen Medien als Verräter abgestempelt.

Auf der anderen Seite spekulieren die Hamas-Granden mit genau dieser Art von Radikalisierung. Das perfide Kalkül der Hamas-Granden: Jede Rakete, die von Gaza aus abgeschossen wird, zieht einen Gegenschlag der israelischen Luftwaffe nach sich - und die Hellfire-Raketen töten bei Weitem nicht nur Terroristen. Jeder tote Zivilist schürt den Hass auf Israel und lenkt davon ab, dass die Bewohner von Gaza die Hamas-Führung mit all ihrer Misswirtschaft und politischen Unfähigkeit eigentlich satt haben.

Je mehr Menschen sterben, desto schriller werden die Töne: Gemäßigte Stimmen ertrinken ungehört im Blut Unschuldiger. Jeder neue Tag voller Gewalt radikalisiert die Bevölkerung auf beiden Seiten und treibt sie den einzigen Siegern dieses Krieges in die Arme: den ziemlich besten Freunden von Israels Ultrarechten und der Hamas.

Naostkonflikt: IsraelStepMap
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Quelle: n-tv.de

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