Politik
Machthaber Kim Jong Un inspiziert das Essen in einer Kaserne.
Machthaber Kim Jong Un inspiziert das Essen in einer Kaserne.(Foto: REUTERS)
Montag, 21. Mai 2012

Ernte geht in die Hauptstadt: Zig Nordkoreaner verhungert

Das streng kommunistische Nordkorea ist schon lange auf Nahrungsmittelhilfen aus dem befeindeten Ausland angewiesen. Die Planwirtschaft ist schlicht überfordert. Zudem gibt es immer wieder schlechte Ernten. In einigen ländlichen Regionen gibt es nun Hungertote.

Die Nahrungsmittelknappheit in Nordkorea hat sich nach Angaben aus Südkorea verschlimmert und sogar zu Toten in der Reiskammer im Südwesten des Landes geführt. Die in Seoul herausgegebene Zeitung "Daily NK" meldete, in einem Dorf im Bezirk Shingye seien sechs Menschen gestorben, nahe der Küstenstadt Haejku habe es vor rund einem Monat etwa zehn Hungertote gegeben.

Die ebenfalls in der südkoreanischen Hauptstadt ansässige Hilfsorganisation Good Friends berichtete gleichfalls über Hungertote in der Provinz Süd-Hwanghae. Darunter seien Arbeiter des dortigen Stahlwerks, die keine Nahrungsmittelrationen mehr erhalten hätten. Laut "Daily NK" brach die Reisproduktion in den Provinzen Nord- und Süd-Hwanghae im vergangenen Jahr infolge von Überschwemmungen zusammen. Das Gros der Herbsternte sei der Armee und den Einwohnern der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang vorbehalten geblieben.

Hilfsorganisationen haben vor einer schweren Hungerkatastrophe in Nordkorea gewarnt. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind sechs Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - dringend auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Die US-Regierung hatte Nordkorea 240.000 Tonnen Nahrungsmittel zugesagt, deren Lieferung nach Pjöngjangs jüngstem Raketentest am 13. April aber gestoppt.

"Rasche Reaktion"

Die USA und ihre Verbündeten Südkorea und Japan warnen das kommunistische Land vor einem weiteren Atomwaffentest. Ein solcher Test wäre eine "ernste Fehlkalkulation und ein Fehler", sagte der Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik der USA, Glyn Davies. "Falls es zu weiteren Provokationen wie etwa einen Nukleartest kommt, wird es eine rasche und sichere Reaktion der internationalen Gemeinschaft geben."

Ohne in Details zu gehen, sagte Davies, Nordkorea müsste mit einer ähnlich geschlossenen Reaktion der Weltgemeinschaft wie nach dem Raketenstart rechnen. Auch China und Russland würden diese Entschlossenheit zeigen. Davies, der an diesem Dienstag auch in Peking Gespräche führt, bekräftigte, dass für Nordkorea die Tür zum Dialog weiter offen sei. Nordkorea müsse aber die "richtige Wahl" treffen.

Auch die Atomunterhändler aus Südkorea und Japan für die sogenannten Sechs-Länder-Gespräch über das nordkoreanische Atomprogramm, Lim Sung Nam und Shinsuke Sugiyama, sprachen in Seoul von einem neuen Weg für Nordkorea, falls es von weiteren Provokationen absehe.

Der Weltsicherheitsrat hatte den Raketenstart aufs Schärfste verurteilt. Während Nordkorea von einem Satellitenstart sprach, sahen die USA, Südkorea und Japan darin den verdeckten Start einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Die Rakete war kurz nach dem Start in der Luft explodiert. Ein UN-Ausschuss hatte die Liste mit nordkoreanischen Firmen erweitert, die finanziellen Sanktionen unterworfen sind.

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Quelle: n-tv.de

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