Politik

Der Kriegstag im Überblick Zivilisten sterben nach Angriff auf Wohnblock - Schröder will Draht zu Putin halten

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Helfer versuchen, verschüttete Menschen aus dem eingestürzten Wohnhaus in Tschassiw Jar zu bergen.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Bei russischen Angriffen in der Region Luhansk werden laut Kreml bis zu Hundert ukrainische Soldaten getötet. Nachdem im Gebiet Donezk eine Rakete in ein Wohnhaus einschlägt, meldet die Ukraine viele zivile Opfer. Ein US-Institut sieht mögliche Annexionspläne Russlands für Charkiw. Trotz des brutalen Vorgehens will Altkanzler Schröder weiterhin mit Präsident Putin in Kontakt bleiben. Der 136. Kriegstag im Überblick.

Kämpfe in der Ostukraine gehen weiter

Nach der Einnahme des Gebiets Luhansk durch Russland hat sich der Schwerpunkt der Kämpfe in der Ukraine deutlich ins benachbarte Donezk verlagert. Bei russischen Raketenangriffen wurden am Wochenende nach ukrainischen Angaben in dem Ort Tschassiw Jar womöglich mehr als 30 Menschen in einem eingestürzten Wohnblock verschüttet.

Bei einer Attacke auf die Stadt Slowjansk töteten russische Truppen nach eigenen Angaben bis zu Hundert gegnerische Soldaten. Zudem seien mehr als Tausend Granaten für US-Haubitzen vom Typ M-777 zerstört worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Von unabhängiger Seite lassen sich die Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen. Es ist erklärtes Ziel Moskaus, die Region Donezk komplett zu kontrollieren. Am vergangenen Wochenende hatte Russland bereits die Stadt Lyssytschansk eingenommen, die als letzte ukrainische Bastion im Gebiet Luhansk galt.

Charkiw bleibt Ziel von Angriffen

Der ukrainische Generalstab in Kiew meldete auch in anderen Teilen des Landes Beschuss, darunter in den Gebieten Charkiw und Tschernihiw. Nach Einschätzung des US-amerikanischen Institute for the Study of the War (ISW) beabsichtigt der Kreml möglicherweise, die Region Charkiw zu annektieren. Ein Hinweis darauf sei, dass die Besatzungsbehörden in der Region rund um die ostukrainische Stadt erklärt hätten, die Gegend sei ein unveräußerlicher Teil Russlands.

Schröder will Draht zu Putin halten

Altkanzler Gerhard Schröder ist weiterhin nicht bereit, seine Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin abzubrechen. "Ich werde meine Gesprächsmöglichkeiten mit Präsident Putin nicht aufgeben", sagte Schröder im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die deutsche Debatte über die Lieferung von schweren Waffen verfolgt er demnach mit Unverständnis. "Warum konzentriert man sich auf die Lieferung von Waffen?", sagte Schröder der Zeitung. "Ich glaube nicht an eine militärische Lösung. Der Krieg ist nur durch diplomatische Verhandlungen zu beenden. Das Schicksal der Soldaten und der ukrainischen Zivilbevölkerung ist nur über eine diplomatische Lösung zu erleichtern."

Ukraine zeigt sich enttäuscht von Kanada

Die ukrainische Regierung zeigt sich "zutiefst enttäuscht" von der Entscheidung der kanadischen Regierung, eine reparierte Gas-Turbine über den Umweg Deutschland an Russland zurückzugeben. Das berichtet die Nachrichtenseite "European Pravda" unter Berufung auf eine Erklärung des ukrainischen Energieministeriums sowie des Außenministeriums in Kiew. Auch nach Einschätzung der kanadischen Regierung verstößt die Lieferung an Russland gegen die verhängten Sanktionen. "Dieser gefährliche Präzedenzfall verstößt gegen das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit" und wird Moskaus Gefühl stärken, straflos davonzukommen, heißt es in der Erklärung. Die Ministerin fordern Kanada auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Baerbock: Westen ist militärisch hilflos

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bedauert, dass der Westen nicht zum Schutz von Zivilisten militärisch in den Ukraine-Krieg eingreifen könne. "Ich hätte zum Beispiel gerne versprochen, dass wir humanitäre Korridore aus den umkämpften Gebieten in der Ukraine garantieren", sagte die Grünen-Politikerin dem "Spiegel". "Aber wir können das nicht leisten. Ein solches Versprechen müsste militärisch abgesichert werden." Deshalb habe sie "klar sagen" müssen, dass es keine Flugverbotszonen geben werde.

Melnyks Abberufung spaltet deutsche Politik

Die Abberufung des ukrainischen Botschafters in Berlin, Andrij Melnyk, ruft in Deutschland gemischte Reaktionen hervor. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP, sagte, Melnyk habe mit umstrittenen Äußerungen Grenzen teils "deutlich" überschritten. Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Roderich Kiesewetter, bescheinigte Melnyk hingegen große Verdienste. "Botschafter Melnyk hat in dieser schwierigen Zeit für sein Volk gekämpft", sagte der CDU-Politiker Kiesewetter der "Augsburger Allgemeinen". "Dass er hier nicht immer den diplomatischen Ton traf, ist angesichts der unfassbaren Kriegsverbrechen und des Leids für das ukrainische Volk mehr als verständlich." Die AfD hingegen begrüßte die Abberufung. Unklar ist weiterhin, wann Melnyk Berlin verlassen wird. Der FAZ sagte Melnyk, seine Amtszeit werde formell "vermutlich in wenigen Wochen zu Ende gehen".

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Quelle: ntv.de, mdi/dpa

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