Politik

Geld ist nicht der Schlüssel Zu viele arme Kinder

Trotz vergleichsweise hoher Finanzhilfen für Familien wachsen in Deutschland mehr Kinder in Armut auf als in den meisten anderen Industriestaaten. Das geht aus einer Studie der OECD hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach investiert Deutschland zwar überdurchschnittlich stark in Kindergeld und Steuererleichterungen, gibt im internationalen Vergleich aber wenig Geld für Angebote zur Kinderbetreuung aus.

Die effektivste Strategie gegen Armut sei, den Eltern das Ausüben ihres Berufs zu ermöglichen, mahnte der zuständige OECD-Experte Willem Adema. Nach den Zahlen, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihren 30 Mitgliedstaaten gesammelt hat, ist es in der Bundesrepublik aber vergleichsweise schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Der Studie zufolge investiert die Bundesrepublik mit 3,0 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) überdurchschnittlich viel Geld in die gesamte Familienförderung. Ein Großteil der Summe fließe aber in Kindergeld und Steuererleichterungen. Für Angebote zur Kinderbetreuung blieben hingegen nur 0,77 Prozent des BIP übrig, womit die Bundesrepublik unter dem OECD-Durchschnitt liege.

Im Ergebnis stünden nur für 9 Prozent der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung, während in Skandinavien Werte von 40 bis 60 Prozent erreicht würden. Gleichzeitig liege die Beschäftigungsquote von Alleinerziehenden deutlich unter dem OECD- Schnitt. Speziell Kinder, die nur mit einem Elternteil aufwachsen, seien aber besonders oft von Armut betroffen. Entsprechend lebten 12,8 Prozent der deutschen Kinder in Armutsverhältnissen, während der OECD-Durchschnitt bei lediglich 12,0 Prozent liege.

Vor diesem Hintergrund regte Adema an, die Verteilung der Gelder zur Familienförderung zu überdenken. Gleichermaßen sieht er die Unternehmen in der Pflicht, etwa durch flexiblere Arbeitszeitmodelle. Auch der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Klaus Ernst, forderte, Eltern auf Wunsch von Schichtarbeit und Überstunden zu befreien und bis zum sechsten Lebensjahr des Kindes den Kündigungsschutz der Eltern auszuweiten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen