Dossier

"Gespeicherte Sonnenenergie" Biomasse und Biokraftstoffe

Biomasse ist "gespeicherte Sonnenenergie", aus ihr können feste, flüssige und gasförmige Energieträger gewonnen werden. Zur Biomasse gehören Holz, biologische Reststoffe sowie die so genannten Energiepflanzen. Im Gegensatz zu Solar- und Windenergie fällt bei Biomasse das Problem der Speicherung weg: Biomasse ist immer verfügbar. Unter den erneuerbaren Energien ist es die vielfältigste Energiequelle.

Biomasse kann in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität eingesetzt werden. Angesichts schwindender Ölvorräte wird Biomasse in der Zukunft auch als Rohstoff für die chemische Industrie an Bedeutung gewinnen. Feste Biomasse, etwa Holz, Stroh oder Pellets, kann in Großkraftwerken oder in kleinen Brennöfen unmittelbar verfeuert werden. Biomasse kann auch - dann vorwiegend als Biogas - zur Verstromung bzw. mittels Kraft-Wärme-Kopplung für Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden.

Aufbereitetes Biogas kann wie konventionelles Gas in das Gasnetz eingespeist werden. In Deutschland geschieht das seit Ende 2006. Der größte Teil des Biogases wird allerdings weiterhin in Blockheizkraftwerken verstromt und für die Wärmegewinnung genutzt.

Biodiesel und Bioethanol

Energiepflanzen werden gezielt für die energetische Nutzung angebaut. Das sind zum einen Ölpflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder auch Jatropha, aus denen reines Pflanzenöl oder Biodiesel gewonnen werden. Zum anderen sind es zucker- bzw. stärkeliefernde Pflanzen wie Zuckerrohr oder Getreide, aus denen durch die Fermentierung von Glukose oder Stärke Ethanol erzeugt werden kann. Dieser Bioethanol ist Biokraftstoff der "ersten Generation"; Biokraftstoffe der "zweiten Generation", die aus vollständigen Pflanzen, Pflanzenabfällen oder aus Pflanzen wie Algen hergestellt werden, sind am Markt derzeit noch nicht verfügbar.

Biodiesel und Bioethanol werden herkömmlichen (fossilen) Kraftstoffen beigemischt. Im November 2007 plante die Bundesregierung, den Anteil von Biokraftstoffen bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern. Benzin sollte 2010 bis zu zehn Prozent Bioethanol beigemischt werden (E10).

Dagegen protestierten sowohl die Automobilindustrie und die Mineralölwirtschaft wie auch einige Umweltverbände und Entwicklungshilfeorganisationen. Die Bundesregierung beschloss daraufhin im Oktober 2008, den Anteil von Biosprit im Treibstoff weniger schnell zu steigern. Dagegen wiederum protestieren die Biosprit-Wirtschaft, der Bundesverband Erneuerbare Energien sowie der Bauernverband; dieser Kritik haben sich einige Abgeordnete auch der Koalitionsfraktionen angeschlossen. Der Bundestag sollte die Absenkung der Beimischungsquote eigentlich schon Ende März beschließen. Dieser Punkt wurde allerdings kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Nach der Osterpause soll es möglicherweise einen neuen Anlauf geben.

Die Frage der Nachhaltigkeit

Brandrodungen, wie für die Herstellung von Palmöl in Indonesien und Malaysia, sowie die Argumentation "Teller statt Tank" haben den Ruf von Biomasse erheblich beschädigt. Natürlich muss die Produktion von Biomasse nachhaltig sein, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden soll. Die EU hat sich im Dezember 2008 auf Nachhaltigkeitsanforderungen geeinigt. Das Bundesumweltministerium hat bereits den Entwurf einer "Verordnung über Anforderungen an eine nachhaltige Herstellung von flüssiger Biomasse zur Stromerzeugung" vorgelegt; eine Verordnung für Biokraftstoffe ist geplant. Vergleichbare Initiativen mit Blick auf die Produktion von Lebensmitteln gibt es übrigens nicht.

Richtig ist, dass die Produktion von Palmöl wie derzeit in Indonesien und Malaysia eine ökologische Katastrophe ist. Allerdings wird Palmöl in Deutschland kaum für Biokraftstoffe eingesetzt; 80 Prozent des importierten Palmöls geht in Lebensmittel (auf denen es nicht einmal als Inhaltsstoff ausgewiesen werden muss), der Rest in die chemische Industrie und in die Verstromung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Auch dieses Problem soll mit der Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung gelöst werden.

Grundsätzlich ist die nachhaltige Nutzung von Biomasse eine Frage von Steuerung und Innovation. Die Herausforderungen, die der Klimawandel und das Ende des fossilen Zeitalters mit sich bringen, sind nicht nur groß, sondern vor allem komplex. Einfache Lösungen gibt es nicht.

Quelle: n-tv.de

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