Dossier

Kolumne zur Handball-WM Der Traum rückt immer näher

Von Erhard Wunderlich, sid

Der Traum rückt immer näher, von Tag zu Tag. Nach dem grandiosen 29:26 gegen Europameister Frankreich haben wir auch Weltmeister Spanien mit 27:25 niedergekämpft. Auf einer Welle der Begeisterung surfen unsere Handballer weiter durch die Hallen, werben für ihren Sport, nutzen die einmalige Chance, bei der Heim-WM einem Millionen-Publikum die Attraktivität ihrer Sportart zu demonstrieren. Klar, dass in Deutschland nach dem Triumphzug ins Halbfinale das Handball-Fieber wie noch nie grassiert. Alle werden davon angesteckt, selbst Bundespräsident Horst Köhler als prominenter Gast unter den 19.000 in der Kölnarena.

Wir können stolz auf diese Mannschaft sein. Und ich habe von Anfang an trotz des Verletzungspechs und der nicht gerade optimalen Vorbereitung immer an sie geglaubt. Nach der Niederlage in der Vorrunde gegen Polen haben viele sie schon abgeschrieben. Doch die Jungs zeigen Charakter, Moral, Willensstärke. Man sieht bei den Spielern förmlich das Funkeln in den Augen. Das ist ein echtes Team, das mehr und mehr zusammenwächst, in dem jeder für jeden kämpft, jeder bereit ist, das allerletzte aus sich herauszuholen und auch Drecksarbeit zu verrichten. Wir können stolz auf die Jungs von Bundestrainer Heiner Brand sein.

Aber Vorsicht, bei aller Euphorie, bei aller Begeisterung: Wir sind längst noch nicht am Ziel aller Träume. Jetzt geht es wieder gegen Frankreich. Das wird ein ganz anderes Spiel als beim 29:26 in der Dortmunder Westfalenhalle. Das wird ein echter Prestigekampf. Wozu der Europameister fähig ist, hat er beim 21:18 im Viertelfinale gegen Olympiasieger Kroatien gezeigt. Die Equipe Tricolore zeigte erstmals ihr wahres Gesicht bei dieser WM. Dennoch glaube ich an unser Team und den Sprung ins Finale. Denn wir haben die besseren Karten, aber unsere Trumpfkarten müssen auch stechen. Wir können uns auf ein absolutes Highlight freuen.

(Jahrhunderthandballer Erhard Wunderlich (50) gewann 1978 mit der deutschen Nationalmannschaft WM-Gold in Dänemark, gehörte aber damals noch nicht zu den Stammspielern. Der Rückraumspieler absolvierte 140 Länderspiele und erzielte dabei 504 Tore. Nach dem enttäuschenden siebten Platz bei der Heim-WM 1982 führte Wunderlich das DHB-Team bei Olympia 1984 in Los Angeles zur Silbermedaille. Zwei Jahre später beendete er seine Karriere im Nationaltrikot. Mit dem VfL Gummersbach errang der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig (1982 und 1983) alle zu vergebenen Titel. 1983 wechselte "Sepp" Wunderlich als erster Deutscher nach Spanien zum FC Barcelona. Seine Laufbahn in der Bundesliga beendete der passionierte Golfspieler 1988.)

Quelle: n-tv.de