Dossier

Abdullah Gül im Kurzporträt Erdogans Platzhalter

Der türkische Außenminister Abdullah Gül von der gemäßigt-islamischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) soll neuer Präsident des offiziell laizistischen Landes werden. Die AKP schlug den 56-jährigen promovierten Volkswirt am Dienstag als Nachfolger von Ahmed Necdet Sezer vor, der nicht erneut kandidieren darf. Im Parlament, das den Präsidenten im Mai wählt, verfügt die Regierungspartei über eine breite Mehrheit, so dass die Wahl Güls so gut wie sicher ist.

Gül ist ein enger Gefolgsmann von Ministerpräsident Tayyip Erdogan, dem er zeitweise sogar als Platzhalter diente. Weil Erdogan in Folge einer Verurteilung wegen Volksverhetzung bei der Parlamentswahl 2002 nicht kandidieren durfte, übernahm Gül für den AK-Chef das Amt des Regierungschefs. Nach Aufhebung des Politikverbots für Erdogan machte Gül ihm im Jahr darauf bereitwillig Platz. Als Mitbegründer der AKP und Funktionär ihrer islamischen Vorgängerparteien betrachten die laizistischen Eliten und die Armeeführung nicht nur Erdogan, sondern auch Gül mit Misstrauen.

Der am 29. Oktober 1950 in Zentralanatolien geborene Sohn eines Handwerkers dürfte ihnen aber wegen seiner Weltoffenheit akzeptabler erscheinen als Erdogan. Für Spannungen dürfte allerdings sorgen, dass Güls Frau ein Kopftuch trägt. Sie hatte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte dagegen geklagt, dass das traditionelle Kleidungsstück nicht an türkischen Universitäten getragen werden darf. Gül war Wirtschaftsprofessor an der Marmara-Universität in Istanbul und spricht dank Studienaufenthalten in Exeter und London fließend Englisch.

Als Außenminister hatte er sich erfolgreich um Verhandlungen über die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union (EU) bemüht. Innerhalb der EU ist er als entschiedener Reformer respektiert.

Quelle: ntv.de

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