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Auf der Suche nach neuer Stärke Erster Fatah-Kongress seit 20 Jahren

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Abbas stellt sich als Chef der Bewegung zur Wiederwahl.

(Foto: dpa)

Auf der Suche nach neuer Stärke und Orientierung treffen sich rund 2300 Vertreter der palästinensischen Fatah-Bewegung am Dienstag erstmals seit 20 Jahren zu einem Kongress. Das dreitägige Treffen der Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas findet in Bethlehem statt. Dort sollen ein neues Programm verabschiedet und die Führungsgremien neu gewählt werden. Die alte Fatah-Elite dürfte dabei zum Teil durch Jüngere ersetzt werden. Wie viele Vertreter der Palästinenser-Partei letztlich auf dem Parteitag auftauchen, war im Vorfeld unklar - die konkurrierende Hamas wollte die 400 Fatah-Delegierten aus dem Gazastreifen nicht nach Bethlehem reisen lassen.

Der Kongress in Bethlehem ist erst der sechste überhaupt seit Bestehen der Palästinenserorganisation, die 1959 von Abbas' Vorgänger Jassir Arafat gegründet wurde. 1989 traf sich die Organisation in Tunis zum letzten Mal zu einer derartigen Konferenz. Seitdem hat sich im Nahen Osten einiges verändert: Die Fatah-Bewegung, die seit 1994 die alleinige Macht innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde innehatte, wurde 2007 von der radikalislamischen Hamas aus dem Gazastreifen verdrängt. Seitdem kontrolliert sie nur noch das Westjordanland, sie ist in sich geschwächt und zerstritten und mit der Hamas tief verfeindet. Die Stagnation im Friedensprozess im Nahen Osten nagt an der Glaubwürdigkeit der Bewegung.

Gemeinsames politisches Programm

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Der Parteitag ist streng bewacht.

(Foto: dpa)

Zumindest zu einer inneren Einheit will die Organisation ab Dienstag in Bethlehem zurückfinden. So soll ein gemeinsames politisches Programm verabschiedet werden, aus dem bereits am Wochenende Details bekannt wurden. So lehnt die Fatah die Anerkennung Israels als jüdischen Staat ab, um die Rechte der Flüchtlinge zu sichern. Die Palästinenser fürchten um die Rechte zweier Personengruppen - zum einen die rund 1,3 Millionen arabischen Einwohner Israels, zum anderen die Nachfahren der Palästina-Flüchtlinge.

Zudem will die Bewegung ein neues Zentralkomitee und einen neuen Revolutionsrat wählen. In dem 21 Mitglieder umfassenden Zentralkomitee und dem Revolutionsrat mit 129 Plätzen dürften dabei vertraute politische Schwergewichte den Platz für Jüngere freimachen müssen. Die Wiederwahl von Abbas als Chef der Bewegung gilt hingegen als sicher.

Historische Wende

"Dieser Kongress wird eine historische Wende bedeuten", sagt Politikexperte Hani el Masri. "Entweder ist die Fatah fähig zu Reformen, zu einer Verjüngung und den wichtigen Veränderungen, indem sie Lehren aus ihren Misserfolgen zieht", sagte er. "Oder sie nimmt ihren weiteren Verfall in Kauf."

Quelle: n-tv.de, Nasser Abu Bakr, AFP