Dossier

Als Fotograf beim Kennedy-Besuch "Ich hielt die alle für krank"

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Kennedy in Köln: Eine Frau erklärt dem Präsidenten, wie er die Dingen sehen soll.

(Foto: Ulrich Mack)

Das Fernsehen berichtet live, als US-Präsident Kennedy Berlin am 26. Juni 1963 besucht. Mehr als 30 Übertragungskameras sind im Einsatz, der Sender Freies Berlin stellt später eine sechseinhalbstündige Dokumentation der nur gut achtstündigen Visite zusammen. Der damals 28 Jahre alte Fotograf Ulrich Mack sieht das Fernsehen als Gegner: zu hektisch, zu oberflächlich. "Das ist doch wie schlechte Musik: Zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr raus."

n-tv.de: Wie hat Kennedy damals auf Sie gewirkt?

Ulrich Mack: Wieso sollte der auf mich gewirkt haben? Ich war einfach froh, einem solchen Politiker nahe kommen zu können. Kennedy war als Hoffnungsträger gekommen, so haben wir ihn empfangen. Am Anfang der Reise hatte er sich noch etwas distanziert gegeben. Ich habe erlebt, wie er immer weicher, immer zugänglicher wurde.

Sie haben für die Illustrierte "Quick" fotografiert und waren von Anfang bis zum Ende dabei.

I ch habe ihn die ganzen vier Tage beobachtet - so kalt beobachtet, dass ich diese Fotos machen konnte. Die sind ja nur entstanden, weil ich versuchte, diesen ganzen Fernsehrummel zu besiegen. Das ist mir gelungen.

Wie meinen Sie das?

Zum einen haben die Fernsehleute den Fotografen einfach den Platz weggenommen. Jedes Fernsehteam bestand aus drei Mann, da blieb nicht viel Raum für die Fotografen. Ich war allein, aber ich hatte sechs Leicas mit festen Brennweiten. Und dann gab es damals schon die Konkurrenz zwischen Fernsehen und Presse.

Das Fernsehen sendete live mit mehreren Kamerateams.

Ich hielt die alle für krank.

Warum?

Das ist doch wie schlechte Musik: Zum einen Ohr rein, zum anderen Ohr raus. Gehalten hat davon nichts. Oder glauben Sie, dass sich viele jetzt die alten Fernsehberichte über den Kennedy-Besuch angucken? Doch bloß, wenn sie dafür bezahlt werden.

Wie viele Ihrer Bilder sind damals erschienen?

Nur sechs Stück. Auf dem Titel der "Quick" war dann schon die persische Ex-Kaiserin Soraya, auf dem Sofa sitzend mit einer Rose, fotografiert von Will McBride. Damals ging das los, diese Hektik im Journalismus.

Ihre Bilder ...

... lagen dann erst mal im Keller. Bis vor Kurzem.

Und verkauft sich Ihr Buch gut, stößt es auf Interesse?

Sehr. Das ist für mich die Hauptsache, dass das nicht ganz vergebens war.

Haben Sie ein Lieblingsbild? Eines, das Kennedy in einer besonders typischen Pose zeigt?

Nein. Vielleicht doch. Er machte das Bad in der Menge, das war in Deutschland bis dahin unbekannt. Da gibt es ein Bild, wo eine Frau ihm vor dem Kölner Dom fast den Finger in die Nase steckt.

Was wollte die von ihm?

Die wollte ihn aufklären, was der amerikanische Präsident zu denken hat.

Autsch!

Aber nein, das ist deutsch. Eine Lehrerin, glaube ich, war das.

Mit Ulrich Mack sprach Hubertus Volmer

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Quelle: n-tv.de

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