Dossier

Illegale Parkwächter Kleingeld-Mafia in Rom

Der "Parcheggiatore" schaut ernst drein, gestikuliert wild mit den Armen, bläst dann energisch in seine Trillerpfeife und lotst einen verzweifelten Römer in eine kleine Parklücke. Die selbst ernannten, illegalen Parkwächter sind für manchen Parkplatz suchenden Italiener der Retter in der Not - und sie sind in Metropolen wie Rom und Neapel aus dem Stadtbild fast nicht mehr wegzudenken.

Bis vor kurzem reichte es, den meist arbeitslosen Männern ein paar Cents in die Hand zu drücken, wofür sie notfalls einen ganzen Abend lang einen Blick auf das geparkte Auto warfen. Mittlerweile mischen sich jedoch immer häufiger Kriminelle unter die "Parcheggiatori", die von den verängstigten Autofahrern eine Art Schutzgeld erpressen.

Erst am vergangenen Wochenende kam eine Sondereinheit der Polizei in Rom rund 40 Parkwächtern auf die Schliche, die ihre "Kunden" massiv bedrohten und so ein ordentliches "Gehalt" abkassierten. Die Männer - ausschließlich Italiener aus den Regionen Latium, Kampanien und Apulien - wurden insgesamt zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Zudem konnten die Beamten 3.000 Euro erpressten Kleingelds beschlagnahmen.

"Gib mir drei Euro oder Dein Auto ist weg", "Entweder Du zahlst oder Du gehst zu Fuß nach Hause" - so oder ähnlich lauten die unmissverständlichen Einschüchterungen. Die meisten Autofahrer zahlen anstandslos, entweder aus Angst oder weil sie den gerade gefunden Parkplatz nicht wieder aufgeben wollen. Die "Parcheggiatori" sind überall am Werke, vor Krankenhäusern, rund um die Universität, vor Friedhöfen oder überfüllten Lokalen. Ein Krankenpfleger lebte monatelang mit schlimmsten Drohungen: "Dieser Typ wusste, wo ich wohne, und wenn ich nicht jedes Mal nach dem Parken gezahlt hätte, dann hätte er meiner Familie etwas angetan. Einmal hat er mein Auto zerkratzt, weil ich kein Kleingeld dabei hatte", erklärte er.

Einem Sprecher der Sondereinheit zufolge sind alle 40 identifizierten illegalen Parkwächter vorbestraft. Jedoch weiß auch die Polizei nicht so recht, wie sie das immer weiter ausufernde Problem in den Griff bekommen soll. Ein römischer Kommunalpolitiker forderte jetzt die Einrichtung einer Telefonnummer, bei der Bürger die Präsenz von "Parcheggiatori" melden können. Die Polizei hat vor allem Angst, dass die Täter demnächst Jugendliche für die Erpressungen anheuern könnten: "Wir müssen für die Zukunft mit allem rechnen", hieß es.

(Carola Frentzen, dpa)

Quelle: n-tv.de