Politik
Montag, 27. November 2006

CDU-Stellvertreter: Merkels bunte Truppe

Die CDU hat auf ihrem Bundesparteitag in Dresden die vier Stellvertreter von Parteichefin Angela Merkel neu gewählt.

Annette Schavan: Die Bildungsministerin gehört zum engsten Zirkel der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Merkel. Im Kabinett gehört die 51-Jährige eher zu den Stilleren. Bevor Schavan nach Berlin wechselte, war sie zehn Jahre lang Kultusministerin in Baden-Württemberg. Als Seiteneinsteigerin startete die Rheinländerin im "Ländle" eine steile politische Laufbahn und setzte Reformen um wie die Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Umstritten war ihre Entscheidung 1998, einer Muslimin die Aufnahme in den Schuldienst zu verwehren, die nicht ohne Kopftuch unterrichten wollte.

Schavan, 1955 in Jüchen bei Neuss geboren, ist studierte Erziehungswissenschaftlerin, Philosophin und Theologin. Als Ziehkind des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) war die bekennende Katholikin Wunschkandidatin für seine Nachfolge. Doch Schavan konnte sich nicht gegen Günther Oettinger durchsetzen. Stellvertretende CDU-Vorsitzende ist sie seit 1998.

Roland Koch: Einer der mächtigen und einflussreichen Ministerpräsidenten. Seit er mit seiner CDU in Hessen allein regiert, ist er auf Bundesebene noch präsenter geworden. Der 48-Jährige hat eigene bundespolitische Ambitionen zurückgestellt. Derzeit hat Koch alle Hände voll zu tun, sich gegen den Vorwurf eines angeblichen politischen Kaufangebots an die Freien Wähler in Hessen zu wehren, und muss sich erneut vor einem Untersuchungsausschuss verantworten. Vor sechs Jahren balancierte er in der Affäre um schwarze Kassen der CDU am Rande des politischen Abgrunds.

Koch wurde 1999 jüngster Ministerpräsident. Der gebürtige Frankfurter machte damals mit der Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft Schlagzeilen. Für die große Koalition auf Bundesebene übte er schon vor der Bundestagswahl 2005, als er mit dem heutigen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Vorschläge zur Kürzung von Subventionen machte. Mit Steinbrück zurrte Koch auch die Unternehmensteuerreform fest und brachte die große Koalition nach Wirren um die Gesundheitsreform wieder in ruhigeres Fahrwasser.

Jürgen Rüttgers: Spätestens seit diesem Sommer wird der nordrhein-westfälische Ministerpräsident wegen seiner Vorstöße zur Sozialpolitik als eine Art "Robin Hood" der Union bezeichnet. Der 55-Jährige brachte mit dem Vorwurf von "Lebenslügen" die CDU in Wallung. Sein Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr galt als Initialzündung für die Wachablösung der rot-grünen Bundesregierung. In NRW startete Rüttgers mit Studiengebühren und Kürzungen bei der Kindergartenförderung eine Sparpolitik, die auf scharfe Kritik stieß.

Der promovierte Jurist geriet 1991 als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion ins politische Rampenlicht. Regierungserfahrungen sammelte er von 1994 bis 1998 als Bildungs-und Forschungsminister in Bonn. Seit 1999 steht Rüttgers an der Spitze der einflussreichen NRW-CDU. Seit sechs Jahren ist er stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Christian Wulff: Er gilt als CDU-"Sonnyboy", dessen Karriere noch lange nicht zu Ende ist. Der niedersächsische Ministerpräsident gehört seit Jahren zur engen Führungsriege hinter der Kanzlerin. Hinter dem Lächeln des gebürtigen Osnabrückers verbirgt sich ein entschlossener Wille, in der Union die Leiter weiter nach oben zu klettern.

Der heute 47-Jährige galt neben Koch lange als möglicher Kanzlerkandidat. Doch Wulff verweist in seiner Standardantwort darauf, er wolle Niedersachsen voranbringen. Den Einfluss in der Bundesregierung sichert Wulff auch durch seine frühere Familienministerin Ursula von der Leyen, die in dieser Funktion seit 2005 mit am Berliner Kabinettstisch sitzt.

Quelle: n-tv.de