Dossier

Standhaft gegen Linksruck Metzger bleibt

Am Ende blieb Dagmar Metzger standhaft - auch dank Yoga. Trotz enormen Drucks der hessischen SPD behält die Abgeordnete aus Darmstadt ihr Landtagsmandat: "Ich bin nach wie vor Mitglied dieser Fraktion." Gleichzeitig beharrte sie: Keine Regierungsbildung mit Stimmen der Linken. Ruhig und gefasst stellte sich Metzger nach einer langen Fraktionssitzung den Kameras. Für die Landesparteichefin Andrea Ypsilanti ist der Weg ins Amt der Ministerpräsidentin damit dauerhaft versperrt. Sie muss bei der Wahl auf alle 42 Stimmen ihrer Fraktion zählen können.

Zuvor war die SPD-Führung tagelang über Metzger hergefallen, und der Ton dieser Diskussion wird wohl noch nachhallen. Der Ärger der Genossen über die Dissidentin, die ihr Gewissen über die Parteidisziplin stellte, ist erklärlich. Schließlich lockten als Siegesprämie des SPD-Linksrucks die Abwahl von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und die Rückkehr in die Regierung nach neun Jahren Opposition. Mit ihrer Weigerung nehme Metzger Partei und Fraktion in Geiselhaft, klagte die Abgeordnete Petra Fuhrmann nach Medienberichten. Metzger beanspruche für sich eine Gewissensentscheidung, als ob alle anderen gewissenlos entschieden hätten.

"Schwere Belastung" für die SPD

Zum Tribunal geriet vor allem der Parteirat am vergangenen Samstag in Frankfurt. Der nordhessische Juso-Chef Tim Schmuch listete am Dienstag auf, wer alles Metzger zu einem Mandatsverzicht aufgefordert habe: Ypsilanti, Ex-Ministerpräsident Hans Eichel, der nordhessische SPD-Chef Manfred Schaub, Fraktionsvize Jürgen Walter, der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen, die Landtagsabgeordneten Uwe Frankenberger und Günter Rudolph zählten dazu. Eichel, Walter und andere dementierten das. In der Schlusserklärung ließ der Parteirat die Forderung nach einem Rückzug Metzgers aus, doch sie wurde zu einer "schweren Belastung" für die Partei erklärt.

Metzger fühlte sich gemobbt und sprach von einem Spießrutenlauf. "Es fielen Ausdrücke wie Sauerei", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Manche Gegner hätten sich zu Schmähanrufen verstiegen und "Judas" ins Telefon gerufen.

Zur verbalen Eskalation trug allerdings auch das Metzger-Lager bei. Der traditionsreiche Familienclan konservativer Sozialdemokraten hat zwei Oberbürgermeister in Darmstadt gestellt. "Ich kenne den Bezirk Hessen-Süd der SPD und weiß, was ich von diesem Bezirk zu halten habe. (...) Und ich weiß, dass da mit Psychoterror gearbeitet wird", sagte Schwiegervater Günther Metzger dem Radiosender FFH. "Leider wird der Bezirk Hessen-Süd von einer linken Mafia beherrscht."

Mit "Stasi-Methoden" genötigt

Und Dagmar Metzgers Vorgänger im Wahlkreis, der scheidende Abgeordnete Bernd Riege, warf ihren Kritikern Nötigung und "Stasi-Methoden" vor. "Der Kollege hat mit seinem Mandat offensichtlich auch ein Stück von seinem politischen Verstand zurückgegeben", giftete der Gießener Abgeordnete Gerhard Merz.

Die Marathonsitzung am Dienstag verlief dann schon ruhiger und sachlicher, wie Metzger sagte. Es gebe zwar mehr Abgeordnete, die Ypsilantis Linkskurs nur mit Bauchschmerzen mitgetragen hätten, doch in der Diskussion sei sie alleine geblieben. Sie habe aus ihrem Wahlkreis und von SPD-Politikern wie Bundesjustizministerin Brigitte Zypries viel Zustimmung erfahren. Dem Stress habe sie mit Yoga und autogenem Training entgegengewirkt, berichtete Metzger: "So groß war der psychologische Druck denn auch nicht."

Von Friedemann Kohler, dpa

Quelle: ntv.de