Dossier

Todesstrafe auf Gotteslästerung Pakistans Blasphemiegesetz

Einen Gotteslästerer umzubringen, ist die Pflicht jedes Muslimen - so argumentieren die Unterstützer des pakistanischen Blasphemiegesetzes. Das Gesetz, dass aktuell in Pakistan zu immer neuen Gewalttaen führt, hat eine längere Geschichte.

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Der Mörder von Gouverneur Taseer, der sich für eine christliche Frau eingesetzt hatte, wird von relgiösen Pakistanern regelrecht verehrt.

(Foto: REUTERS)

Das umstrittene Blasphemie-Gesetz verbietet in Pakistan bei Androhung der Todesstrafe abwertende Äußerungen über den Islam. Ursprünglich eine Bestimmung zum Schutz religiöser Stätten während der Kolonialzeit, wurde das Gesetz während der Militärdiktatur Zia ul-Haqs in den 1980er Jahren zum Zwecke der Islamisierung des Landes erheblich verschärft.

Laut Gesetz werden "abwertende Äußerungen usw. über den Heiligen Propheten (...) unverzüglich oder mittelbar mit dem Tode oder lebenslanger Haft bestraft". Zudem kann eine Geldbuße verhängt werden.

Menschenrechtsgruppen beklagen, der Wortlaut des Gesetzes sei schwammig und  Pakistaner droht Galgen . Besonders die kleine christliche Minderheit des Landes sieht sich bedroht. Verurteilungen beruhten vorwiegend auf Zeugenaussagen, die häufig von persönlichen Rachegelüsten getrieben seien. Menschenrechtler sprechen deshalb von einer faktischen Todesstrafe durch bloße Anschuldigung.

Tatsächlich sind Verurteilungen wegen Blasphemie an der Tagesordnung. Die Todesstrafe wurde bislang jedoch noch nicht vollstreckt. Allerdings kamen in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen bei Ausschreitungen wütender Mobs zu Tode: So verbrannten 2009 sieben Christen, nachdem eine durch Berichte über Koran-Schändungen aufgehetzte Menge 40 Häuser und eine Kirche in der Stadt Gojra in Brand gesteckt hatte.

Versuche einer Reform oder Abschaffung des Gesetzes ziehen regelmäßig den Zorn konservativer Muslime auf sich. Ende vergangenen Jahres organisierten Tausende Anhänger islamistischer Parteien einen landesweiten Streik als Warnung, das Gesetz nicht anzurühren. Angesichts dieser Opposition hat die derzeit gegen islamistische Extremisten kämpfende Regierung einer Außerkraftsetzung des Gesetzes eine Absage erteilt.

Quelle: n-tv.de, rts

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