Dossier

Türkische Militäroffensive Rasches Ende

US-Präsident George W. Bush hat die Türkei im Nordirak ausgebremst. Noch am Donnerstag hatten türkische Regierungsvertreter und das Militär einen Zeitplan für ein schnelles Ende des Einsatzes jovial abgelehnt. Kurz sei relativ - es könne ein Tag oder ein Jahr sein, sagte der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit zu entsprechenden Forderungen der USA. Dann waren es sogar nur Stunden bis zu einem abrupt wirkenden Ende der Militäroffensive gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK.

Der Einsatz müsse kurz und zielgenau sein, hatte US-Verteidigungsminister Gates gefordert, der die teilweise unterschiedlichen Interessen zwischen dem NATO-Verbündeten Türkei und den ebenfalls verbündeten irakischen Kurden ausbalancieren musste. Die Türkei dürfe nicht nur auf Militärschläge setzen. Auch Wirtschaft und Politik seien in dem Kurden-Konflikt gefragt. Präsident Bush legte einige Stunden später nach. "So schnell wie möglich" müsse die Türkei abziehen.

Die Rolle des "großen Bruders"

Der türkische Generalstab betont am Freitag aber, die Offensive sei nicht auf ausländischen Druck hin eingestellt worden. Die Armee habe ihr Ziel erreicht. "Der Einsatz ist nicht das Ende der PKK, aber wir haben gezeigt, dass der Nordirak kein sicheres Rückzugsgebiet für die PKK ist", erklärte der Generalstab. 240 Kämpfer der PKK sollen bisher getötet worden sein.

Türkische Medien hatten unter Berufung auf Militärkreise über ganz andere Pläne berichtet. Nachdem die Armee ein Lager der PKK im Zap-Tal eingenommen und zerstört habe, wolle sie nun auf das 100 Kilometer von der türkischen Grenze in den Kandil-Bergen liegende Hauptquartier der PKK vorrücken. Spezialeinheiten hätten dort bereits Stellung bezogen und kontrollierten wichtige Zugangswege. Zehn weitere Tage seien für eine Eroberung des Hauptquartiers nötig.

Türkische Kommentatoren und Militärexperten waren gerade dabei, sich warmzulaufen. Nach einem späteren Abzug der USA aus dem Irak werde die Türkei die Rolle des "großen Bruders" einnehmen, lautet eine der Thesen. Die eigentliche Botschaft des Eindringens in die kurdischen Autonomiegebiete sei, dass die Türkei niemals einen unabhängigen Staat Kurdistan erlauben werde.

Wie geht es weiter?

Der Präsident des kurdischen Autonomiegebietes im Nordirak, Massud Barsani, wurde am Freitag mit den Worten zitiert, die türkische Armee habe im Nordirak rote Linien überschritten, die die USA für den Militäreinsatz der Türken dort gezogen hätten.

Wie geht es nun weiter? Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Erdogan ist offensichtlich bemüht, das Verhältnis zu den irakischen Kurden zu normalisieren. Außerdem will seine islamisch-konservative Partei AKP im kommenden Jahr bei der Kommunalwahl in der südöstlichen Kurdenmetropole Diyarbakir an den Erfolg der Parlamentswahl im vergangenen Jahr anknüpfen, bei der sie auch die Stimmen vieler Kurden erhalten hat. Für beide Projekte kann es sich noch als gut erweisen, dass im Nordirak in den vergangenen neun Tagen nicht zu viel Porzellan zerschlagen wurde.

Von Carsten Hoffmann, dpa

Quelle: ntv.de

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