Dossier

Novum für die Kirche Scheidung der Bischöfin

Seit Jahren ist sie das Gesicht der evangelischen Kirche in Deutschland: Freundlich, aber bestimmt bezieht Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann (48) in der Öffentlichkeit Stellung zu kirchlichen, vor allem aber auch zu gesellschaftlichen Themen. Nicht nur in Hannover sorgt sie für frischen Wind in der oft noch von Männern dominierten Kirchenwelt. Nach einer Brustkrebsoperation machte sie im vergangenen Sommer betroffenen Frauen Mut und wurde von einer Zeitschrift zur "Frau des Jahres 2006" bestimmt. Mit ihrer bevorstehenden Scheidung rückt Käßmann nun ungewollt ins Licht der Öffentlichkeit.

Unterstützung vom Kirchensenat

Zwar ist eine Scheidung für einen evangelischen Pastor inzwischen nicht mehr zwingend mit disziplinarischen Folgen verbunden - eine Bischöfin im Amte, die sich trennen lässt, ist für die Kirche dennoch ein Novum. Der Kirchensenat in Hannover sicherte Käßmann nach eingehender Beratung bei der Führung ihrer Amtsgeschäfte seine Unterstützung zu. Wegen der Bedeutung ihres Amtes hatte Käßmann sich eine Entscheidung zu einer Trennung von ihrem als Pfarrer bei der Landeskirche in Kassel arbeitenden Ehemann nicht leicht gemacht. Auch wenn sie sich zu den näheren Umständen ausschweigt, wird ihre Scheidung ähnlich wie die Krebserkrankung viele Menschen auch außerhalb der Kirche bewegen.

Zu jung, zu intellektuell und überfordert

"Ich bin keine Quotenfrau", hatte Käßmann selbstbewusst verkündet, als sie 1999 als 41-Jährige das kirchliche Spitzenamt in Hannover antrat. Dass qualifizierte Frauen für wichtige Ämter kandidierten, sei in der Kirche selbstverständlich. Dennoch hatte ihre Nominierung auch heftige Reaktionen ausgelöst. Sie sei zu jung, zu intellektuell und als junge Mutter von vier Töchtern mit dem Amt überfordert, hatten Kritiker gewarnt. Käßmann forderte für ihre Kirche eine Erneuerung hin zu einer fröhlichen, lebensnahen Kirche, "die sich auch einmischt in die Fragen dieser Zeit". Genau dies machte Käßmann sich zum Programm und bezieht seitdem regelmäßig in der Kirche oder im Fernsehen Stellung - etwa zum Ungleichgewicht von Arm und Reich, zum Ladenschluss oder zu Jugendgewalt.

Die im oberhessischen Marburg geborene Käßmann studierte an Universitäten in Tübingen, dem schottischen Edinburgh, Göttingen und Marburg. Gemeinsam mit ihrem Ehemann versah sie sieben Jahre lang das Pfarramt im nordhessischen Frielendorf und war unter anderem Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. In ihrer Doktorarbeit an der Universität Bochum widmete sie sich dem Thema "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche".

Von Michael Evers, dpa

Quelle: ntv.de

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