Dossier

Keine freie Fahrt in der Ölkrise Spaziergang auf der Autobahn

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Am 9. Dezember 1973, dem dritten Sonntag mit Fahrverbot, wandert der Schwäbische Albverein über ein neues Autobahn-Teilstück der Strecke Weinsberg-Möckmühl.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bis zur Ölkrise von 1973 galten die globalen Energiereserven als unerschöpflich. Darum löste das Embargo der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) einen nachhaltigen Schock aus.

Die Öl-Länder verkündeten am 17. Oktober, ihre Ausfuhren zu drosseln und die Preise drastisch zu erhöhen. Damit wollten die OPEC-Staaten die Importländer zwingen, im Jom-Kippur-Krieg Ägyptens und Syriens gegen Israel Position für die arabische Seite zu beziehen.

In die Niederlande und die USA - in den Augen der Ölmagnaten Freunde Israels - floss schon Tage später kein Tropfen Öl mehr. Auch Deutschland und andere europäische Länder waren betroffen. Mit den noch verbliebenen Reserven hätte der Mindestbedarf der Länder der Europäischen Gemeinschaft (EG) lediglich für zwei bis drei Monate gedeckt werden können.

Platz für Familien-Spaziergänge

Die Regierungen griffen zu drastischen Sparmaßnahmen, in Deutschland im Energiesicherungsgesetz zusammengefasst. Als die Bundesregierung Sprit an Tankstellen nur noch kontrolliert abgeben ließ, gab es Hamsterkäufe. Am 25. November und den drei folgenden Sonntagen waren die Straßen in Deutschland leer. Die Autobahnen boten Platz für Radtouren und Familien-Spaziergänge. Gestoppte Fahrer ohne Sondergenehmigung bekamen empfindliche Geldbußen. An den übrigen Tagen galten Geschwindigkeitsbegrenzungen: Tempo 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen hatte aber nur kurz Bestand. Schon vier Monate später, zwei Tage vor Aufhebung des Embargos, galt in Deutschland wieder die Devise: "Freie Fahrt für freie Bürger".

Die Ölkrise war eigentlich eine Ölpreiskrise: Die OPEC konnte den Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) von 2,83 Dollar im Jahr 1973 auf 36,15 Dollar im Jahr 1980 hochschrauben. Wegen der Preisexplosion wurde die Suche nach neuen Erdölquellen massiv vorangetrieben. Daneben wurden andere Energieträger wie Atomkraft verstärkt eingesetzt. Möglichkeiten zum Energiesparen im Haushalt und beim Spritverbrauch wurden seitdem immer weiter verbessert. Auch die Idee, über eine Öko-Steuer den Umwelt- und Ressourcenverbrauch zu senken, entstand wenige Jahre nach der Ölkrise.

Quelle: n-tv.de, dpa