Dossier

Drohgebärden am Persischen Golf Teheran schadet sich selbst

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Lenkt für Teheran die Marine: Habibollah Sajari.

(Foto: REUTERS)

Der Iran droht mit einer Blockade von Öltransporten im Persischen Golf. Die US-Marine reagiert prompt. Säbelrasseln oder echte Drohung? Experten meinen, mit einer Blockade schade der Iran sich vor allem selbst.

Erstaunlich schnell und erstaunlich vollmundig hat die amerikanische Marine auf jüngste Verbal-Attacken aus Teheran reagiert. Eine Blockade der Öltransporte am Persischen Golf werde nicht toleriert, die Freiheit der Handelswege sei unerlässlich.

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Höchste politische Instanz des Iran: Der "Oberste Führer der Islamischen Revolution", Ayatollah Seyed Ali Khamene’i (mit Stock und schwarzer Robe, 3.v.l.). Links neben ihm: Mohammad Ali Jafari, Kommandeur der Republikanischen Garden. Rechts: Armeechef Ataollah Salehi.

(Foto: REUTERS)

Und damit keinerlei Illusionen aufkommen, fügt die Sprecherin der Fünften Flotte gleich hinzu, man verfüge über eine robuste Präsenz in der Region - normalerweise äußern sich Militärs in der Öffentlichkeit deutlich bedeckter.

Doch ansonsten reagieren die USA und andere westliche Staaten demonstrativ kühl und gelassen. Ihr Motto: Die Krise nur nicht heißreden, allein allzu viel Rhetorik könnte die Ölpreise in die Höhe treiben - mit negativen Folgen für die ohnehin dahin dümpelnde Konjunktur.

Hinter den Kulissen freilich bemüht sich die Regierung von Präsident Barack Obama um mögliche Gegenmaßnahmen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte berichtete, gebe es bereits einen Plan, "die Wasserstraße im Falle einer Krise offenzuhalten". Wie das genau aussehen soll, lassen sie geflissentlich im Unklaren.

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Die Meerenge bei Hormus ist nicht viel mehr als 50 Kilometer breit. Zum Vergleich: Der Ärmelkanal misst an seiner schmalsten Stelle knapp 34 Kilometer.

"Aus militärischer Sicht ist das zumeist Getöse", tut das "Wall Street Journal" die Blockade-Drohung aus Teheran ab. Zwar könne der Iran an der gerade mal 50 Kilometer breiten Straße von Hormus, durch die die lebenswichtige Öl-Schlagader führt, ein paar Schiffe versenken und damit "einigen Schaden" anrichten. "Aber der Iran ist militärisch gesehen kein Gegner für die USA und die Verbündeten am Persischen Golf".

Nur noch ein Jahr bis zur Bombe?

Energieexperten machen dagegen eine ganz andere Rechnung auf: Mit einer Blockade würde sich der Iran nicht zuletzt ins eigene Fleisch schneiden. Die eigenen Ölexperte würden gefährdet, wichtige Deviseneinnahmen ausfallen. "Iran wird nicht seine Petrodollars aufs Spiel setzen", heißt es beim "Schork Report", einem US-Informationsdienst des Energie- und Schifffahrtsanalysten Stephen Schork.

Auch in Teheran sehen das Eingeweihte offenbar ganz ähnlich. "Wir würden wirtschaftlich Selbstmord begehen, wenn wir die Straße von Hormus schließen würden", zitiert die "Washington Post" einen Beamten im iranischen Ölministerium. "Das Ölgeld ist unsere einzige Einnahme, wir würden uns auf spektakuläre Weise ins eigene Bein schießen, wenn wir das täten."

Wenig Spielraum für Obama

Experten weisen denn auch darauf hin, dass Teheran schon mehrfach in der Vergangenheit mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, doch die Drohung niemals wahr gemacht habe. Viel riskanter seien die möglichen politischen Folgen bei einer Zuspitzung der Krise. In den .

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Vom Volk gewählt und vom "Revolutionsführer" bestätigt: Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad kümmert sich im Iran um die Regierungsgeschäfte.

(Foto: REUTERS)

Das Kalkül der Iraner könnte es sein, Obama ausgerechnet in dieser kritischen Zeit herauszufordern. Eine echte Krise samt militärischer Intervention kurz vor den Wahlen im nächsten Herbst - für Obama wäre das ein unkalkulierbarer Risikofaktor.

Jenseits des Säbelrasselns schwelt der eigentliche Konflikt, der Streit um das iranische Atomprogramm, weiter und wird immer bedrohlicher. Aus Israel verlautet, es dauere nur noch neun Monate, bis Teheran im Besitz der Bombe sei. US-Verteidigungsminister USA erteilen Israel Nachhilfe sprach kürzlich von "etwa einem Jahr, vielleicht ein bisschen weniger". Ein atomar bewaffneter Iran, und das im Wahljahr 2012, auch das wäre für Obama ein Alptraum.

Quelle: n-tv.de, Peer Meinert, dpa

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