Dossier

Prostitution im Sommerloch Triebstau zur WM

In großen Horden zogen sie über die Hamburger Reeperbahn, doch wenn es um Sex ging war tote Hose: Die Fußball-Fans hatten vor lauter WM-Spaß offenbar kaum Lust auf die käufliche Liebe. "Die Prostitution steckt trotz Fußball-WM im Sommerloch", sagt Katharina Cetin vom Verein Hydra, einer Beratungsstelle für Prostituierte. Und Karolina Leppert, Vorsitzende des Bundesverbandes Sexuelle Dienstleistungen (BUSD), berichtet: "Viele Stammkunden sind wegen der WM weggeblieben. Mit den Fußball-Fans konnte der Rückgang kaum kompensiert werden."

Vor allem in die kleineren Läden und die Wohnungsbordelle habe kaum jemand den Weg gefunden. "Da hat sich nur hin und wieder jemand hin verirrt." Selbst auf der Herbertstraße in Hamburg ließen nur wenige Fans die Hosen runter. "Schauen und Schäkern ja, aber mehr passierte selten."

Ähnliche Beobachtungen hat Carmen Jörg von der Beratungsstelle Mimikry in München gemacht: "Beim Oktoberfest ist mehr los", sagt sie. "Das ist aber auch kaum verwunderlich, denn wie sollen Männer auch noch Lust auf Sex haben, wenn sie bis zu drei Partien pro Tag schauen müssen."

Großanbieter in den Spielorten verspürten zumindest an den Spieltagen eine verstärkte Nachfrage: "Dann ist ein bisschen was los gewesen, aber sonst herrschte tote Hose", berichtet die Chefin des Bel Ami in Berlin, direkt neben dem Olympiastadion gelegen.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet PR-Manager Eike Wilmans vom Artemis nebenan: "An Spieltagen kamen mehr Besucher als sonst." Am liebeshungrigsten seien die Schweden gewesen, in deren Heimat die Prostitution verboten ist. "Da haben mindestens 150 ihre Chance genutzt." Auch die Kroaten hätten für ein heißes Geschäft gesorgt. "Die kamen alle mit ihren rot-weiß-karierten Trikots rein, hatten sie jedoch nicht lange an, denn wir sind ein FKK-Klub."

Viele Etablissements des horizontalen Gewerbes hatten sich extra für die Fußball-WM in Stellung gebracht und auf einen Ansturm vorbereitet: "Die Frage ist immer, was man erwartet", sagt Armin Lobscheid vom Kölner Laufhaus Pascha: "Wir sind mit der Belebung des Geschäfts zufrieden, auch wenn sich die Zahl der Kunden sicher nicht verdoppelt oder verdreifacht hat."

Aller Unkenrufe zum Trotz seien auch die englischen Fans nach dem 2:2 im Vorrundenspiel gegen Schweden nicht rau oder gewalttätig gewesen. "Sie waren zwar laut und haben gefeiert, es gab aber keinerlei öffentliche Auseinandersetzungen", so Lobscheid.


In den Medien war im Vorfeld der WM immer wieder von einem durch das Turnier ausgelösten Sex-Boom die Rede: "Diese hohe Erwartungshaltung haben wir nie geteilt", sagt Karolina Leppert, die seit April 2005 den BUSD-Vorsitz inne hat. "Den Fans wurde ja ständig ein Triebstau unterstellt, den sie bei der WM ausleben wollen. Daran haben wir nicht geglaubt."

Auch der befürchtete Anstieg der Zwangsprostitution blieb wohl aus. "Noch gibt es keine verlässlichen Zahlen von den Einsatzleitstellen, aber nach ersten Informationen hat es keinen exorbitanten Zulauf gegeben, der Anfangs befürchtet worden war", erklärt Vorstandsmitglied des Bundes Deutscher Kriminalbeamter.

von Christian Klaue, sid

Quelle: n-tv.de