Dossier

Transrapid Umstritten von Anfang an

Um den Transrapid wurde jahrzehntelang gerungen. Baukosten in Milliardenhöhe, Bedenken von Anwohnern und Umweltschützern sowie politisches Kalkül machten die Magnetschwebebahn zu einem der umstrittensten Verkehrsprojekte. Seine Geschichte begann bereits 1922. Damals beschäftigte sich der Ingenieur Hermann Kemper mit den Möglichkeiten der Schwebetechnik. 1934 meldete er ein Patent für eine Magnetschwebebahn an.

1978: Gründung des Konsortiums "Magnetbahn Transrapid".

1979: Während der Internationalen Verkehrsausstellung in Hamburg befördert der "Transrapid 05" mehr als 50.000 Passagiere.

1984: Der "Transrapid 06" nimmt den Betrieb auf der Versuchsstrecke im niedersächsischen Emsland auf.

1989: Die Bundesregierung gibt grünes Licht für den Bau einer Strecke zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn. Nach der Wiedervereinigung wird der Plan fallengelassen.

1992: Die Strecke Hamburg-Berlin wird in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen.

1994: Die Bundesregierung beschließt den Bau der Strecke.

1996: Der Bundesrechnungshof warnt vor Mehrkosten in Milliardenhöhe.

1999: Die Strecke soll zunächst einspurig gebaut werden.

2000: Die Bahn als vorgesehener Betreiber nennt die Strecke nicht rentabel. Einen Monat später wird das Projekt beendet.

2001: In Shanghai wird der Vertrag für den Bau der ersten kommerziellen Transrapid-Strecke unterzeichnet. Das deutsche Verkehrsministerium vergibt Machbarkeitsstudien für Strecken in Bayern und Nordrhein-Westfalen.

2002: Der Bund will zur Trasse zwischen Düsseldorf und Dortmund 1,75 Milliarden Euro beisteuern, zur Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen 550 Millionen.

Juni 2003: Nordrhein-Westfalen verzichtet auf das 3,2-Milliarden-Euro-Projekt.

November 2003: In Shanghai stellt der Transrapid einen Rekord von 501 Stundenkilometern auf. Im Dezember beginnt der reguläre Betrieb.

Juli 2004: Ein Bericht der Bundesregierung weist für das Münchner Projekt einen Fehlbetrag bis zu einer Milliarde Euro aus.

September 2006: Bei einem schweren Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland sterben 23 Menschen, zehn werden verletzt.

Februar 2007: In Unterschleißheim bei München beginnt das Erörterungsverfahren, es ist eines der größten der vergangenen Jahre.

März 2007: Das Münchner Projekt könnte nach einer von der Landtagsopposition bestellten Studie bis zu 4 Milliarden statt der veranschlagten 1,85 Milliarden Euro kosten.

August 2007: Nach einer Berliner Koalitionsrunde geht Bayerns Regierung davon aus, dass der Bund mit 925 Millionen Euro die Hälfte und Bayern mit rund 490 Millionen Euro ein Viertel der Kosten trägt. Berlin dementiert.

September 2007: Kurz vor seinem Rücktritt verständigt sich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mit Bahn und Industrie auf die Finanzierung. Mit dem Bau soll 2008 begonnen werden.

19. Dezember 2007: Der Münchner Stadtrat beschließt für April 2008 ein Ratsbegehren gegen den Transrapid: Die Münchner sollen entscheiden, ob alle Rechtsmittel ausgeschöpft werden sollen.

20. Dezember 2007: Die Transrapid-Gegner übergeben dem Land mehr als 38.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gegen die Beteiligung Bayerns an der Finanzierung. Das Landesinnenministerium bezweifelt die Verfassungsmäßigkeit und legt den Volksbegehren-Antrag dem bayerischen Verfassungsgerichtshof zur Prüfung vor.

27. März 2008: Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erklärt das Aus für das Projekt wegen drastischer Kostensteigerungen.

Quelle: n-tv.de