Dossier

"Bayerische Lebensart" Vereint für den Qualm

Die Luft rauchgeschwängert, die Aschenbecher voll: Lautstark, mit kernigen Sprüchen und viel Qualm machen bayerische Wirte und Raucher im Münchner Löwenbräukeller ihrem Ärger über das geplante Nichtraucherschutzgesetz im Freistaat Luft. Rund 1000 Teilnehmer hat der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) am Montagabend erwartet, rund 2000 sind es nach Schätzung der Veranstalter schließlich.

Das Rauchverbot soll voraussichtlich am 12. Dezember im Landtag beschlossen werden und am 1. Januar in Kraft treten. Nur ganz wenige Ausnahmen soll es noch geben. Damit bekäme Bayern eines der schärfsten Rauchverbote bundesweit, nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Franz Bergmüller sogar das europaweit schärfste. "Das ist mit der bayerischen Lebensart unvereinbar", ruft er durch dichte Rauchschwaden in den Saal. "Der Kunde soll selber entscheiden!"

"CSU 50 Prozent minus X - wacht Ihr denn auf?" Und: "Rauchverbot = Kneipentod", lauten die Parolen. Unverhohlen die Drohung an die CSU, man könne das Kreuzchen auch anderswo machen. Vor allem CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid, der das verschärfte Rauchverbot vorangebracht hatte, steht im Kreuzfeuer. In Großformat wird immer wieder sein Bild eingeblendet, er sei der "Mörder der bayerischen Dorfgastronomie". Tags darauf reagiert Schmid verärgert: "Manchmal sind die Grenzen des guten Geschmacks der Auseinandersetzung überschritten." Weichen will er aber keinen Zentimeter: Das Gesetz werde verabschiedet. "Der Schutz der Gesundheit hat Vorrang." Der Nichtraucherschutz werde von allen drei Parteien im Landtag getragen.

Kein Rauch im Bierzelt

Dabei gibt es in der CSU durchaus noch Widerstand gegen das Gesetz. Mehrere CSU-Abgeordnete wollen gegen das Gesetz stimmen. Für großen Unmut hatte vor allem die Ausweitung des totalen Rauchverbots auch auf Bierzelte - und damit das Oktoberfest - gesorgt. Dagegen hatte sich in der Fraktion ein Drittel der Abgeordneten ausgesprochen.

Die Wirte warnen, das Gesetz werde den Gaststätten Umsatzrückgänge bescheren, Arbeitsplätze vernichten und für manchen die Existenz zerstören. Einer berichtet mit Tränen in den Augen, dass die Gäste ausbleiben, seit nicht mehr geraucht werden darf.

Der Verein verlangt, dass Wirte - wie im ursprünglichen Gesetzentwurf geplant - in Nebenräumen Raucherzimmer einrichten dürfen. In Gaststätten mit nur einem Raum bis 100 Quadratmeter Größe müsse der Wirt über Raucher- oder Nichtraucherkneipe entscheiden dürfen. In Festzelten müsse es Übergangsfristen mit Plätzen für Nichtraucher und Raucher geben.

Oktoberfest-Wirt Ludwig Hagn, einst langjähriger Landespräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes, hat bereits eine Klage beim bayerischen Verfassungsgerichtshof angekündigt. Für eine Kontrolle seines Festzelts mit 7000 Gästen brauche er nach einer groben Schätzung 120 zusätzliche Kräfte - "genauso viele wie Bedienungen". Ein Rauchverbot sei in der Menschenmenge sonst praktisch nicht durchzusetzen.

Von Sabine Dobel, dpa

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen