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Gbagbo hält die Lunte Die ivorische Tragödie

Die Elfenbeinküste steuert auf einen neuen Bürgerkrieg zu. Der abgewählte Präsident Gbagbo will nicht von der Macht lassen. Die ivorische Krise droht so zu einer westafrikanischen zu werden. Stärkerer internationaler Druck auf Gbagbo ist nötig.

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Laurent Gbagbo will nicht abtreten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die politische Lage in der Elfenbeinküste ist explosiv, eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Der bisherige Staatschef Laurent Gbagbo und Wahlsieger Alassane Ouattara beanspruchen das Präsidentenamt für sich. Nach der Stichwahl vom 28. November zwischen beiden Politikern kommt das westafrikanische Land nicht zur Ruhe. In der Wirtschaftsmetropole Abidjan verbarrikadieren sich zwei Regierungen mit ihren schwer bewaffneten Anhängern.

Es ist für Afrika alles andere als ungewöhnlich, dass ein abgewählter Staatschef nicht freiwillig seinen Platz für einen Nachfolger räumt. Kenia und Simbabwe sind typische Beispiele dafür. Die Staaten auf dem Schwarzen Kontinent, in denen relativ reibungslose Machtwechsel von statten gingen, kann man an einer Hand abzählen. Als Beispiele seien dafür Ghana und Südafrika genannt.

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Alassane Ouattara ist der international anerkannte Wahlsieger.

(Foto: REUTERS)

Gbagbos Weigerung, nach einem für ihn verlorenen Votum von der Macht zu lassen, stürzt die Ivorer in neue blutige Auseinandersetzungen. Dabei hat die Elfenbeinküste unter seiner Herrschaft bereits 2002/2003 einen Bürgerkrieg mit tausenden Toten erlebt. Danach wurde mühsam unter Vermittlung westafrikanischer Staaten an einer Lösung des Konflikts gearbeitet, die im März 2007 in einen Friedensvertrag mündete, der in der Hauptstadt Burkina Fasos, Ouagadougou, unterzeichnet wurde. Gbagbo, dessen Präsidentschaft eigentlich bereits 2005 abgelaufen war, durfte mit dem Segen der Vereinten Nationen seine Amtszeit verlängern.

Krise nach Houphouët-Boignys Tod  

Dennoch ist die Elfenbeinküste derzeit faktisch geteilt. Die Linie zwischen den Städten Danané, Bouaké und Bondoukou bildet die Grenze zwischen dem hauptsächlich von Moslems bewohnten Norden, wo Ouattara seine Machtbasis hat, und dem reicheren Süden.   

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Felix Houphouët-Boigny (Archivbild von 1992).

Ein charismatischer Politiker wie der 1993 verstorbene Gründervater der Elfenbeinküste, Felix Houphouët-Boigny, der das Land mit seinen 60 Ethnien mit harter Hand zusammenhielt, fehlt. Während seiner Herrschaft war die Elfenbeinküste das ökonomische Vorzeigeland Westafrikas. Nach seinem Tod rutschte das Land erst in eine politische und dann auch noch - hervorgerufen durch den drastischen Verfall der Kakaopreise 1999 - in eine ökonomische Krise. Dazu kamen auch religiös motivierte Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen.

Dass es eine weitere innerafrikanische Lösung mit Hilfe der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas geben kann, darf mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden. Die Staatchefs von Sierra Leone, Kap Verde und Benin erreichten mit ihrem Vermittlungsversuch bei Gbagbo gar nichts. Das ist auch nicht verwunderlich, sind sie doch alles andere als politische Schwergewichte. Die Afrikanische Union (AU) ist derzeit völlig abgetaucht.  

Sorge um Nachbarstaaten

Dabei muss unbedingt eine schnelle Lösung gefunden werden. So sieht sich Liberia, das selbst einen jahrelangen Bürgerkrieg hinter sich hat, einem Flüchtlingsstrom aus der Elfenbeinküste ausgesetzt, der seine innere Stabilität bedroht. Auch die Lage in einem weiteren Nachbarland der Elfenbeinküste, Guinea, gleicht einem Pulverfass. So droht sich der Konflikt in der Elfenbeinküste auf andere westafrikanische Länder auszuweiten.

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Senegalesische UN-Soldaten schützen Ouattaras Hauptquartier in Abidjan.

(Foto: REUTERS)

Ein stärkeres Engagement der USA, die aus historischen Gründen enge Beziehungen zu Liberia unterhalten, und der Europäer, allen voran die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, ist notwendig. Sie haben sich auf die Seite Ouattaras gestellt. Zusammen mit den westafrikanischen Staaten muss der Druck auf Gbagbo - notfalls auch mit ökonomischen Sanktionen - erhöht werden. Eine militärische Lösung darf nur die allerletzte Option sein. Die derzeit 9500 unter UN-Flagge stationierten Soldaten dürfen auf keinen Fall abgezogen werden.

Die Elfenbeinküste befinde sich "am Rande des Völkermordes", orakelt Ouattaras Botschafter bei den Vereinten Nationen, Youssoufou Bamba. Ein Grund mehr für Amerikaner, Europäer und Afrikaner, noch aktiver zu werden.

Quelle: n-tv.de