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Extremistischer "historischer Führer" George Habasch ist tot

George Habasch, Gründer der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), erlag am Samstag in der jordanischen Hauptstadt Amman einem Herzanfall. Seinen Tod verkündete die erste palästinensische Flugzeugentführerin, Laila Khaled. Sie hatte auf Weisung von Habasch im September 1970 ein Passierflugzeug der EL AL entführt. Durch ein waghalsiges Flugmanöver des ausgebildeten Kampfpiloten, überwältigten die Sicherheitsbeamten an Bord die "bildhübsche Frau", wie Khaled damals bezeichnet wurde.

Zeitgleich hatte Habasch die Entführung von weiteren Passagierflugzeugen befohlen. Maschinen der PANAM, TWA und Swiss Air wurden nach Jordanien geflogen und landeten zwangsweise in der Wüste. Nach der Freilassung der Geiseln an Bord wurden die Maschinen gesprengt. Das war für König Hussein von Jordanien der Anlass, die radikalen palästinensischen Kämpferorganisationen, darunter die PLO Jassir Arafats, in seinem Land niederzuschlagen und schließlich in Richtung Libanon zu vertreiben. Der "schwarze September" kostete mutmaßlich Zehntausende Palästinenser das Leben. Wenige Jahre später entbrannte im Libanon der Bürgerkrieg, ausgelöst durch jene palästinensischen Kämpfer, die aus Jordanien vertrieben worden waren.

Briefbomben und RAF-Verbindungen

Habasch, ein griechisch orthodoxer Christ, Marxist und Kinderarzt, wurde 1926 in Lod geboren und floh1948. Seine Aktionen im Rahmen eines "radikalen Widerstandes" gegen das "zionistiche Gebilde" Israel gehören zu den Blutrünstigsten in der Geschichte des Kampfes gegen den jüdischen Staat. 1970 explodierte in der Luft eine Swissair Maschine mit 47 Menschen an Bord. Die Briefbombe stammte von der PFLP. Seitdem haben in Israel alle Briefkästen nur einen millimeterhohen Schlitz und dickere Briefe können nur nach einer Ausweisprüfung verschickt werden.

Neben seinen spektakulären Flugzeugentführungen, in deren Folge die scharfen Sicherheitsmaßnahmen und Taschenkontrollen auf allen Flughäfen der Welt eingeführt wurden, wurde Habasch auch wegen seiner Zusammenarbeit mit der japanischen und der deutschen RAF bekannt. 1972 war die PFLP maßgeblich an einem Massaker auf dem israelischen Flughafen Lod durch den japanischen Terroristen Koso Okomoto beteiligt. 26 Menschen, überwiegend Pilger aus Puerto Rico, kamen dabei ums Leben.

Blutige Spur reißt nicht ab

1971 ermordeten PFLP-Terroristen den jordanischen Premierminister Wasfi Tal. Einer der Mörder trank vor laufender Fernsehkamera vom Blut des getöteten Politikers.

Am 5. September 1972 kamen bei dem Anschlag auf die Olympischen Sommerspiele in München elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist ums Leben. Verantwortlich war das "Kommando schwarzer September" unter dem Befehl des George Habasch. 1973 ermordeten PFLP-Aktivisten in der saudischen Botschaft in Khartoum im Sudan den amerikanischen Botschafter Cleo Noel und einen belgischen Diplomaten.

Habash war auch verantwortlich für den Anschlag auf das Opec Treffen in Wien 1975, das der bekannte "Carlos" ausführte. Ebenso waren es Kämpfer der PFLP, die 1976 eine Air France Maschine nach Entebbe in Uganda entführten. Diese Flugzeugentführung endete mit einer spektakulären israelischen Befreiungsoperation der Geiseln. Dabei kam Joni Netanjahu, der Bruder des späteren Ministerpräsidenten und heutigen Oppositionschefs in Israel, Benjamin Netanjahu, ums Leben. Ein vierköpfiges PFLP-Kommando entführte zudem im Oktober 1977 die Lufthansamaschine "Landshut", um die Freilassung von elf Terroristen der "Roten Armee Fraktion" zu erpressen.

Wegen Anschlägen der PFLP in Jerusalem, liquidierte Israel mit einer gezielten Rakete den Nachfolger von Habasch als Chef der PFLP in Ramallah, Mustafa Ali Kassam Sabiri.

Drittstärkste Kraft nach Fatah und Hamas

Bei den palästinensischen Parlamentswahlen im Januar 2006 ging die PFLP neben Fatah und Hamas mit nur 4,7 Prozent der Stimmen als drittstärkste Kraft unter den Palästinensern hervor. Ein prominentes Mitglied dieser extremistischen und von der EU als "Terrororganisation" eingestuften Partei ist Victor Batarseh, der Bürgermeister von Bethlehem. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier weigerte sich demonstrativ bei einem Besuch in Bethlehem, dem Bürgermeister zu begegnen.

Seitdem Habasch im Jahre 1980 in Damaskus einen Schlaganfall erlitten hatte, wurde sein Gesundheitszustand immer schlechter. 1992 kehrte Habasch von Damaskus nach Amman zurück. Im Mai 2000 gab er die Führung der PFLP an seinen Weggefährten Mustafa Ali Kassam Sabiri alias "Abu Ali Mustafa" ab. Dessen Nachfolger Achmed Saadat ordnete die Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehabeam Seevi im Oktober 2001 an.

Tausende Anhänger

Erst nach der Verurteilung Saadats und dessen Verlegung in das Gefängnis von Jericho unter britischer und amerikanischer Bewachung hob Israel im Mai 2002 die Belagerung des Hauptquartiers von Präsident Jassir Arafat auf, in das sich Saadat mitsamt den Minister-Mördern in "Sicherheit" gebracht hatte.

In Ramallah und Bethlehem hat die PFLP bis heute mehrere Tausend Anhänger. Sie bietet palästinensischen Christen eine radikale Alternative zu den Islamisten. Präsident Mahmud Abbas bezeichnete Habasch einen "historischen Führer” und verfügte eine Halbmast-Beflaggung sowie eine dreitägige Nationaltrauer.

Quelle: n-tv.de

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