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Fünf Milliarden aus Moskau Griechenland legt sich neue Ketten an

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Auch Putin wird in Zukunft seine Hände im griechischen Spiel haben.

(Foto: REUTERS)

Mit Geld aus Russland befreit sich Griechenland nicht vom Einfluss ausländischer Geldgeber. Im Gegenteil: Es holt sich einen weiteren Fremden ins Boot, der den Kurs des Landes mitbestimmen will.

Nun also doch. Griechenland sucht sich einen neuen Geldgeber und findet Russland. Ausgerechnet das Land, dessen Verhältnis zur EU sich im letzten Jahr so verschlechtert hat. Der Schritt wird die anderen Euro-Staaten provozieren. Darunter sind ja auch Staaten wie Finnland, Estland, Lettland und Litauen, die sich von Russland besonders bedroht sehen.

Wenn es stimmt, was "Spiegel Online" berichtet, bekommt Athen aus Moskau bald fünf Milliarden Euro. Das Geld soll ein Vorschuss auf Durchleitungsgebühren der Gaspipeline "Turkish Stream" sein. Zwar fließt das Gas laut Plan erst ab 2019, das Geld aber schon jetzt. Als der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras vor zehn Tagen in Moskau den russischen Präsidenten Wladimir Putin besuchte, sagte er, Griechenland werde keine Kredite zur Staatsfinanzierung aus Russland bekommen. Wohl aber könne es projektbezogene Kredite für Infrastrukturprojekte geben. Diese Aussage hat er nun bis zum Äußersten ausgereizt. Die fünf Milliarden sind natürlich sehr wohl dazu da, die Finanzierungslücken im griechischen Haushalt zu kitten.

Allerdings wird das Geld nicht besonders lange reichen. Allein die letzte Rate aus dem Hilfspaket, über das Griechenland derzeit mit der Eurogruppe verhandelt, beträgt 7,2 Milliarden. Sich auf den russischen Vorschuss zu verlassen und die Verhandlungen mit den Europäern einzustellen, ist also keine Option. Mit fünf Milliarden Euro verschafft sich Griechenland höchstens etwas Luft, um sich in den Verhandlungen besser aufzustellen.

Aber der Preis dafür ist hoch. Denn ob Russland einen Kredit oder einen Vorschuss gewährt - durch eine finanzielle Abhängigkeit entsteht auch eine politische Abhängigkeit. Wenn Moskau fünf Milliarden Euro zahlt, erhofft es sich etwas davon. In diesem Fall dürfte die Hoffnung nicht darin liegen, dass es irgendwann einmal gebührenfrei Gas durch Griechenland leiten darf. Eher will es der viel beschworenen "Einigkeit des Westens" in der Ukraine-Frage schaden. Die neue griechische Regierung hatte die Sanktionen gegen Russland kritisiert.

Spätestens, wenn die fünf Milliarden Euro verbraucht sind, wird man sich in Griechenland fragen, ob das Geschenk nicht vergiftet war. Das Land leidet darunter, dass es nicht über sich selbst bestimmen kann, sondern sich dem Diktat anderer Staaten unterwerfen muss. Doch anstatt sich daraus zu befreien, halst es sich eine neue fremde Macht auf, die sich in Zukunft in griechische Angelegenheiten einmischen könnte. Ob es sich für diesen Deal lohnt, die Eurostaaten zu provozieren, die Griechenland seit Jahren vor der Pleite bewahren?

Quelle: n-tv.de

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