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Zwischenruf Merkel in Afrika: Ick bin all hier!

Im Mittelpunkt der Reise der Kanzlerin nach Kenia, Angola und Nigeria stehen deutsche Rohstoffinteressen. Daran ändert auch die Spende für ein somalisches Flüchtlingslager in Kenia nichts. Doch Deutschland ist mit seinem Engagement in Afrika ziemlich spät dran.

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Angela Merkel auf Besuch in Afrika: Sie ist mit ihren Interessen spät dran.

(Foto: AP)

Nein, Kenia hat kein Erdöl wie Angola und Nigeria, die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Rundreise durch Schwarzafrika auch besuchen will. Aber auf der zum UNESCO-Welterbe gehörenden (!) Insel Lamu, vor der Küste des ostafrikanischen Staates gelegen, soll ein Hafen entstehen, über den Erdöl aus dem benachbarten Südsudan in alle Welt transportiert werden soll. Bisher geschah das über Port Sudan in der Republik Sudan, von der sich der Süden am vergangenen Sonnabend für unabhängig erklärt hatte. Beide Seiten stehen einander feindselig gegenüber; vielfach liefern sich ihre Streitkräfte Gefechte, bei denen es nicht zuletzt auch um Erdöl geht. China unterhält zwar engste Beziehungen zum Nordsudan, doch ein de facto eigener Hafen am Indischen Ozean passt gut in die politisch-ökonomische Strategie der Volksrepublik. Auch die geplanten chinesischen Flugzeugträger könnten dort einmal vor Anker gehen.

Die Bereitstellung von einer Million Euro für ein Lager für Flüchtlinge aus dem bürgerkriegsgeschüttelten Somalia ist eine lobenswerte humanitäre Geste. Allein: Im Mittelpunkt der Gespräche in Nairobi hat das Thema Bürgerkrieg und Trockenheit ganz sicher nicht, sondern Kenias künftiger Hafen in Lamu und die Pipeline für südsudanesisches Erdöl. Obzwar auch nicht gerade ein demokratischer Musterschüler, ist Kenia unerlässlich für die Sicherung einer – sehr schwierigen – Stabilität im Südsudan. Deutschland geriert sich als eine Art Schirmherr des neuen Staates. Am liebsten hätte Bundesaußenminister Guido Westerwelle die Unabhängigkeit des Landes wohl selbst ausgerufen.

Auch in Angola und Nigeria mit Schwarzafrikas bedeutendsten Lagerstätten steht das Erdöl im Mittelpunkt des deutschen Interesses. Da stören offensichtlich weder mangelhafte Demokratie und Korruption in der einstigen Volksrepublik noch blutige Christenverfolgung und brutaler Rohstoffkrieg im Nigerdelta. Frau Merkels Trip ist die erste Reise der deutschen Regierungschefin, nachdem Bundesaußenminister Guido Westerwelle kürzlich seine neue Afrika-Konzeption vorgestellt hat. An allen drei Reisezielen zumindest ist nichts zu spüren von der starken Zivilgesellschaft, die der deutsche Chefdiplomat bei der Vorstellung seiner Konzeption so sehr lobte. Zudem: Wo der Hase Merkel auch hinfährt, stehen zwei Igel, der eine aus China, der andere aus den USA und rufen im Chor: Wir sind all hier! Und da ist dann auch in Sachen deutsches Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat nichts zu erwarten.

Quelle: ntv.de