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Syrische Chemiewaffen abgerüstet Obama verdient sich seinen Nobelpreis

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Es ist Barack Obama zu verdanken, dass es in Syrien jetzt keine Chemiewaffen mehr gibt.

(Foto: REUTERS)

In Syrien tobt weiterhin ein grausamer Bürgerkrieg, doch nun kann die Regierung zumindest keine Chemiewaffen mehr einsetzen. Es ist Zeit, daran zu erinnern, wie es dazu kam.

Als Barack Obama 2009 den Friedensnobelpreis gewann, hatte er noch nichts Bedeutsames geleistet. Viele empfanden den Vertrauensvorschuss für den frisch gewählter US-Präsidenten ungerechtfertigt, ja naiv. Lange scheinbar zu Recht: Obama schaffte es nicht, das unmenschliche und widerrechtliche Gefangenenlager Guantanamo zu schließen. Er ließ Terroristen mit Drohnen jagen - ohne Kriegserklärung, fernab der Justiz und mit zivilen Opfern.

Die Gegner der Entscheidung des Nobel-Komitees konnten sich angesichts dieser Politik bisher bestätigt fühlen. Doch jetzt, da die letzten Chemiewaffen aus Syrien geschafft sind, ist es an der Zeit, daran zu erinnern, wofür Obama damals den Preis bekommen hat.

Das Komitee verwies auf ein konkretes Projekt: Obama hatte versprochen, einen neuen Anlauf zur Abrüstung von Atomwaffen zu unternehmen. Das ist nicht dasselbe wie die Abrüstung von Chemiewaffen, aber etwas sehr Ähnliches. Beide Waffengattungen sind dazu gedacht, Menschenmassen zu vernichten. Mit ihnen lässt sich nicht differenzieren, wen man trifft. Darum ist jeder Einsatz dieser Waffen ein Kriegsverbrechen.

Eine riskante Strategie

In der Region Ghuta tötete die syrische Regierungsarmee im August 2013 Hunderte Menschen mit Sarin. Das Gas brachte die Menschen lautlos um ihr Leben und ohne dass sie ihm hätten entkommen können. Rettungskräfte wurden gerufen, um zumindest den Kindern zu helfen - viele bekamen selbst eine tödliche Dosis ab. Zwar wird der Bürgerkrieg in Syrien weiterhin von allen Seiten mit Grausamkeit geführt, doch mit der Entsorgung der Chemiewaffen sind solche Massaker nicht mehr möglich. Zu verdanken ist das Barack Obama.

Der US-Präsident hatte eine Rote Linie gezogen, indem er sagte, dass er den Einsatz von Chemiewaffen nicht tolerieren würde. Dann drängte er darauf, den Vorfall zu untersuchen. Als klar war, dass die syrische Armee Giftgas eingesetzt hatte, erhöhte er den Druck auf Russland, kündigte Luftangriffe an und stoppte die Vorbereitungen erst, als Assad zusagte, die Chemiewaffen abzugeben.

Es war eine riskante Strategie: Die USA hatten in Syrien nichts zu gewinnen. Luftangriffe hätten ihnen keine Ölfelder erschlossen und keine strategischen Möglichkeiten eröffnet. Sie hätten den Krieg auch nicht beendet. Sie hätten viel Geld und vielleicht auch das Leben von Amerikanern gekostet. Dass Obama diese Gefahr im Namen der syrischen Zivilbevölkerung trotzdem einging, ist ihm hoch anzurechnen. Genauso hoch ist ihm anzurechnen, dass er sich von den Hardlinern in den USA nicht dazu verleiten ließ, schneller zu militärischen Mitteln zu greifen. Obama hat den wohl einzig richtigen Pfad beschritten. Er gehört damit zu den Menschen, die in den vergangenen Jahren am meisten auf Abrüstung hingewirkt und damit laut Alfred Nobel einen Friedenspreis verdient haben.

Quelle: n-tv.de

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