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Zwischenruf Strategische Partnerschaft

Russland und China haben ihre strategische Zusammenarbeit auf eine neue Stufe gehoben. Dies ist für beide Seiten von Vorteil, meint Manfred Bleskin.

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China und Russland haben in Peking Abkommen in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar besiegelt.

(Foto: AP)

Anders als zu Zeiten des sowjetisch-chinesischen Konflikts und des neoliberalen Chaos’ unter Jelzin betrachten Moskau und Peking einander heute als treue und zuverlässige Partner.  Selbst ideologische Unterschiede zwischen den chinesischen Kommunisten und den russischen Ex-Kommunisten spielen immer weniger eine Rolle. Die Kreml-Partei "Einiges Russland" und die KP Chinas haben im fernöstlichen Grenzort Suifenhe eine Art gemeinsamen Parteitag veranstaltet, bei dem es den Russen vor allem um die Erfahrungen der Nachbarn bei der Machtsicherung ging.

Doch im Vordergrund stehen wirtschaftliche und politisch-militärische Belange. Russland ist als Rohstofflieferant weitaus stärker von der Krise betroffen als China. Es wird erwartet, dass die Wirtschaftsleistung um 8,5 Prozent zurückgeht. China dagegen hofft auf einen Zuwachs von mehr als acht Prozent. Will Russland aus der Krise heraus, muss sich der Rohstofflieferant auf Hochtechnologien konzentrieren.

Ob das Land, wie von Präsident Medwedew angekündigt, zum weltweit führenden Produzenten von Nanotechnologien wird, darf bezweifelt werden. Aber die Richtung hat der Kreml erkannt. Die 3,5 Milliarden US-Dollar, welche die Volksrepublik in der einstigen Sowjetrepublik investieren will, dürften dabei sehr hilfreich sein. Das Paradoxon: Einst war es die UdSSR, die China in den Jahren nach 1949 bei der Errichtung von Industrieanlagen unterstützte. Heuer sind es die Chinesen, die die Russen lehren, wie man wirtschaftet. So auch bei den mehr als 200 Kooperationsvorhaben in den gemeinsamen Grenzregionen.

Milliardenverträge in China unterzeichnet

Mit der Vereinbarung über neue russische Erdgaslieferungen nach China macht sich Moskau auch vom (west-) europäischen Markt unabhängiger. Gegenwärtig verkauft der Staatskonzern Gazprom acht Prozent in den Osten. Geplant sind bis zu 25 Prozent im Jahre  2030.

Auf militärischem Gebiet ist die Einrichtung eines "roten Telefons" nur formell eine Nachricht wert: Längst kooperieren die Armeen beider Länder im Rahmen der Shanghai-Gruppe auf das Engste, die bilateralen Waffengeschäfte florieren.

Bemerkenswert ist, dass Ministerpräsident Putin nach Peking reist, während US-Außenministerin Clinton in Moskau mit Staatschef und Außenminister über ein neues Abkommen zur Reduzierung der strategischen Rüstungen (START II) und den Dauerbrenner Raketenschild verhandelt. Putin vertieft die langfristige strategische Zusammenarbeit, mit dem Reich der Mitte, Medwedew übt sich in Schadensbegrenzung gegenüber den USA.

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Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: ntv.de