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Offen reden Warum Ramsauer auf einmal Englisch spricht

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"Ich benütze ungern das Wort Rüstungsgüter", sagt Ramsauer. "Das klingt aggressiv und trifft die Sache nicht."

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Peter Ramsauer noch Verkehrsminister war, mussten "Laptops" in seinem Ministerium "Klapprechner" heißen. Jetzt ist er einfacher Abgeordneter und für Wirtschaft zuständig. Und hat ein Wort gefunden, das er auf Englisch lieber mag.

Wenn Politiker offen sprechen, ist das grundsätzlich immer zu begrüßen. Viele entwickeln die Bereitschaft zur freien Rede erst nach einem Karriereknick. Aber besser spät als nie.

Der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer ist so ein Fall. Bis zur Bundestagswahl war er Verkehrsminister und wäre dies wohl auch gern geblieben. Sein Parteivorsitzender Horst Seehofer hat ihm den Wunsch jedoch nicht erfüllt. Jetzt ist Ramsauer Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie.

In dieser Funktion sprach Ramsauer nun mit der "Frankfurter Rundschau". Und er sprach offen. Über den Iran: Dort stünden "alle schon in den Startlöchern", behauptet er und meint alle anderen Länder, nur eben nicht Deutschland. Über Rüstungsexporte: "Die deutsche Industrie hat weltweit mit die besten Defence-Systeme. Wenn wir da nichts mehr exportieren lassen, werden die Produkte anderswo gekauft."

Ramsauer will, dass der Bundestag nicht nur erfährt, welche Rüstungsprodukte exportiert wurden. Er will auch wissen, welche Exportanträge abgelehnt wurden. Denn: "Wir müssen offen darüber reden, was wir uns im Defence-Bereich leisten können und was nicht."

Soso, offen reden will er. Die Journalistin der "Frankfurter Rundschau" fragt an dieser Stelle nach, mit "Defence-Bereich" meine Ramsauer doch wohl Rüstungsgüter. Seine Antwort: "Ich bin sehr gegen Anglizismen. Aber ich benütze ungern das Wort Rüstungsgüter. Das klingt aggressiv und trifft die Sache nicht."

Peter Ramsauer und die Anglizismen, da war doch was? Richtig: Als Verkehrsminister ordnete er an, dass in seinem Haus englische Begriffe durch deutsche ersetzt werden: Aus "Laptop" wurde "Klapprechner", aus "Ticket" wurde "Fahrschein", die "Flipcharts" in den Konferenzräumen des Ministeriums durften nur noch "Tafelschreibblöcke" genannt werden. Aber "Rüstungsgüter" sollen "Defence-Systeme" sein? Was sind dann die Menschen, die in "Drittländern" mit deutschen Waffen getötet werden? Kollateralschäden der deutschen Wirtschaftspolitik? Zur Erinnerung: In der Hitparade der größten Rüstungsexporteure steht Deutschland auf Platz drei.

Schön, wenn Politiker offen reden. Noch schöner, wenn sie sich dabei verplappern. Was Ramsauer will, ist eine skrupellose Außen- und Wirtschaftspolitik, die noch weniger Rücksicht nimmt als es ohnehin schon der Fall ist. Genau so sollte er dies formulieren.

Quelle: n-tv.de

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