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Gauck spricht von "Wir"-Gefühl "Bundespräsident klüger als die Kanzlerin"

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Bundespräsident Joachim Gauck begrüßt Zuwanderer persönlich im Schloss Bellevue und bezieht damit eine eindeutige Position in migrationspolitischen Fragen. Die Bundeskanzlerin geht hingegen den entgegengesetzten Weg und erntet Kritik in den Medien.

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Mit viel Herz öffnet der Bundespräsident die Türen seines Amtssitzes.

(Foto: dpa)

Die Ulmer Südwest-Presse schreibt: "Wo, wenn nicht auf einem Fest zu Ehren des Grundgesetzes, hätte Gauck besser Stellung nehmen können zur Fremdenangst, die mal wieder vor Wahlen geschürt wird - mit dünnen Argumenten und durchsichtigen Motiven? Selbst die ansonsten bei diesem heiklen Thema sehr rationale Bundeskanzlerin meint, mit der Ablehnung einer nicht vorhandenen 'Sozialunion' billig auf Stimmenfang gehen zu können." Auch Angela Merkel sollte dem Blatt zufolge die nicht mehr neue Erkenntnis der Bevölkerungswissenschaft respektieren, dass Deutschland seinen Wohlstand nur mit Zuzug und Integration ausländischer Arbeitskräfte erhalten kann. "Mit seiner Werbung dafür zeigt sich der Bundespräsident klüger als die Kanzlerin."

Die Augsburger Allgemeine ist der Meinung, dass das beschworene Wir-Gefühl nicht entstehen könne, solange man Zuwanderung mit Abzocke verbinde. "Die Menschen, die zu uns kommen, müssen nicht so sein wie wir. Aber nur wenn sie unsere Regeln akzeptieren, wird man sie als Bereicherung und Teil des 'Wir' empfinden." Und erst dann werden sie selbst sich hier zu Hause fühlen, so die Zeitung.

"Gauck hat zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Botschaften gefunden", urteilt die Ludwigsburger Kreiszeitung. Aber Gauck habe noch mehr gesagt - und das sei besonders lobenswert gewesen, schreibt das Blatt. "Der Präsident hat nämlich zugleich etwas Riskantes gewagt: Er hat die Gutmenschen dazu aufgefordert, endlich einen selbstkritischen, damit also differenzierteren und klareren Blick auf Zuwanderung zu werfen. Das wird für Ärger sorgen, war aber dringend erforderlich." Niemandem sei der Zeitung zufolge geholfen, wenn man die eigenen kulturellen Werte und Traditionen zugunsten einer falsch verstandenen Solidarität gegenüber Zuwanderern über Bord werfe. "Nicht die Gleichberechtigung der Frau, auch nicht das Weihnachtsfest. Warum auch? Probleme dürfen darüber hinaus nicht verschwiegen oder ignoriert werden. Schon gar nicht dort, wo sie bereits konkret auftreten."

Laut der Neuen Rhein Zeitung werde Zuwanderung unglücklicherweise von vielen Deutschen mehr als Bedrohung als eine Chance wahrgenommen. "Die Diskussion über Zuwanderung wird allzu oft verengt auf Sozialmissbrauch und andere Missstände. Auch Kanzlerin Angela Merkel mischt in diesem Konzert der schrillen Töne mit, wenn sie einfordert, was an der Tagesordnung ist: dass EU-Ausländer, die sich allein zur Arbeitssuche in Deutschland aufhalten, kein Hartz-IV bekommen. Das ist Wahlkampf auf die schäbige Art." Ganz anders handhabe es dem Blatt zufolge Bundespräsident Joachim Gauck. "Er hatte noch 2012 den unseligen Zuwanderungskritiker Sarrazin als 'mutig' bezeichnet. Jetzt spricht er von einem 'neuen deutschen Wir', fordert eine Begegnung auf Augenhöhe mit Zuwanderern. Das sind Worte, die es braucht, damit Gräben eingeebnet werden, die schon viel zu lange zwischen Zuwanderern und Einheimischen klaffen."

Für Die Welt markiere Gaucks Rede das Ende zweier Lebenslügen. "Die erste lautete: Wir sind kein Einwanderungsland. Die zweite vertrat ein allzu blauäugiges Konzept des Multikulturalismus, das insgeheim paternalistisch war und die Einwanderer nur als Objekte sozialer Beglückungsmaßnahmen betrachtete." Der Präsident habe das Wort Multikulturalismus ebenso vermieden wie einen Bezug auf die Feststellung seines Vorgängers, der Islam gehöre zu Deutschland, schreibt die Zeitung. "Aber in der Sache vertritt er einen aufgeklärten Multikulturalismus, der einerseits die Verschiedenheit der neuen Deutschen als Bereicherung empfindet, andererseits die Gültigkeit von Recht und Gesetz und zivilisatorischer Normen betont. Thilo Sarrazin mag glauben, Deutschland schaffe sich ab. Der Bundespräsident stellt klar: Deutschland erschafft sich neu."

Zusammengestellt von Lisa Schwesig

Quelle: ntv.de

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