Pressestimmen

Neues Hilfspaket für Griechenland "Die Kuh ist nicht vom Eis"

Die Regierung in Athen erhält von ihren europäischen Partnern und vom IWF noch einmal 130 Milliarden Euro Kredit und ist damit laut n-tv.de vorerst gerettet. Grund zur Euphorie ist das allerdings nicht. Denn trotz aller Hilfe ist die griechische Wirtschaft dabei zu kollabieren. Es muss sichergestellt werden, dass das zweite Rettungspaket mehr bewirkt als das erste.

"Griechenland bekommt eine weitere Chance - einen Vertrauensbonus. (…) Die Euro-Länder gönnen sich und Hellas eine Verschnaufpause", schreiben die Westfälischen Nachrichten. Die Devise in Athen müsse daher lauten: "Jetzt oder nie." Aber trotz aller Erleichterung über die neuerlichen Hilfen bleiben beim Blatt aus Münster große Zweifel. "Die Kuh ist nicht vom Eis. Griechenlands Wirtschaft ist dabei zu kollabieren. Da helfen auch nicht die im Hilfspaket vereinbarten zehn Milliarden Euro für Infrastruktur- und Arbeitsmarktprogramme." Damit könnte das Spardiktat letztlich zum Fluch werden. Zusätzlich hänge "über dem griechischen Reformhimmel (…) derweil das Damoklesschwert der April-Wahlen. Was danach wird, weiß vielleicht nur das Orakel von Delphi."

Auch für das Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung ist es "alles andere als redlich, so zu tun, als könne man mit den nächsten 130 Milliarden Euro das Land retten." Das Blatt sagt zwar ruhige kommende Monate voraus, "die Griechen werden das frische Geld dazu benützen, ihre Zinsen und Tilgungen zu zahlen." Doch wenn das Paket aufgebraucht sei, komme wieder eine neue Runde mit zwei- bis dreistellige Milliardenbeträgen. "Es sei dann, man bereitet sich endlich darauf vor, was in ökonomischen Fachkreisen eindeutig Mehrheitsmeinung ist: Auf eine geordnete Insolvenz Griechenlands. Sie wäre für alle Beteiligten unter bestimmten Voraussetzungen beherrschbar. Zusammen mit einem Austritt aus dem Euro, könnte ein Neustart gelingen, der dem Land über den Zeitraum einer Dekade hinweg die Chance zur Erholung einräumt."

Ein Austritt aus dem Euro ist für die Nürnberger Zeitung dagegen alles andere als die Lösung. Das Blatt hält die Folgen für Griechenland und alle Euro-Staaten für unüberschaubar. "Vielleicht ist ein Blick auf das Insolvenzrecht für Unternehmen hilfreich. Der Gang zum Insolvenzgericht bedeutet längst nicht mehr das Aus für ein Unternehmen. Vielmehr haben Firmen mit einem guten Insolvenzverwalter an ihrer Spitze die Chance, wieder in die Spur zu kommen."

Niemand könne derzeit sagen, ob es Griechenland nach 2014 gelingen werde, sich wieder selbst am Markt zu refinanzieren. Auch das Handelsblatt hält es aus derzeitiger Sicht für eher unwahrscheinlich und mutmaßt, dass der private Schuldenschnitt letztlich dafür nicht ausreichen werde. "Vielleicht muss ein staatlicher Schuldenerlass hinzukommen. Deutschland und die anderen Geberländer sollten sich auf jeden Fall darauf einrichten, dass sie möglicherweise einen Teil ihrer Forderungen an Hellas abschreiben müssen."

Zwar deutet die Mitteldeutsche Zeitung das zweite Sparpaket für Griechenland als Durchbruch. Doch sieht das Blatt deshalb kaum Grund zur Euphorie. Denn "bisher stehen das zweite Hilfspaket, der Schuldenschnitt und vor allem Athens Eigenleistungen nur auf dem Papier. Noch ist nicht abzusehen, ob alle privaten Gläubiger dem Schnitt zustimmen, ob die griechischen Parteien wirklich den Mut zur Gesetzgebung haben und ob die Hellenen bei der Parlaments-Neuwahl im April die Bemühungen auch wirklich durch stabile Mehrheiten honorieren." Aber auch eine ganz andere Frage sei laut der Zeitung aus Halle ganz entscheidend: "Wie kann sichergestellt werden, dass dieses zweite Hilfspaket mehr bewirkt als das erste? Wer garantiert, dass die insgesamt 130 Milliarden Euro effizient eingesetzt werden und nicht wieder in irgendwelchen akuten Finanzlöchern verschwinden?"

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Julia Kreutziger