Pressestimmen

China bietet Europa Hilfe an "Kein Beweis des Vertrauens"

Europa und den USA streckt sich in ihrem Kampf gegen die Schuldenkrise "eine helfende Hand" entgegen: China bietet sich als "Retter in der Not" an. Die Volksrepublik will sich mit neuen Investitionen engagieren. Allerdings nicht zum Nulltarif: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt fordert im Gegenzug ein Entgegenkommen von Europäern und Amerikanern. Eine Krisenhilfe mit Hintergedanken, das scheint klar. Aber auch aus Angst.

306d5219.jpg8860354356248399660.jpg

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao.

(Foto: dpa)

Die Frankfurter Rundschau betrachtet  die von China angebotene Hilfe in der  Euro-Finanzkrise skeptisch: "China gibt den Weltenretter. Man will der angezählten Eurozone  eine 'helfende Hand' entgegenstrecken, verspricht Premier Wen Jiabao. Die Dankbarkeit, mit der sein Angebot in Europa und an den Aktienmärkten angenommen wird, beobachtet Peking mit nationalistischem Stolz". Dabei, so die Tageszeitung aus Hessen, sei es "keineswegs ausgemacht, dass die Misere Europas und Amerikas tatsächlich zu Chinas Vorteil" sei: "Das chinesische Wirtschaftswachstum hängt noch immer maßgeblich von der Konsumkraft in den Industrieländern ab. Und so mächtig Peking außenpolitisch auftrumpfen mag, so machtlos steht  die Partei vielen ihrer innenpolitischen Herausforderungen  gegenüber".

"China gibt den Weltenretter, und der Propagandaapparat weidet sich daran, wie einst mächtige Staaten, die China gerade noch Ratschläge in Sachen Reformen und Menschenrechte erteilten, als Bittsteller dastehen", kommentiert auch die Berliner Zeitung. "Doch so mächtig Peking außenpolitisch auch auftrumpfen mag, so machtlos steht die Partei vielen ihrer eigenen innenpolitischen Herausforderungen gegenüber. Nach der helfenden Hand einer Regierung, die Probleme löst, statt neue zu schaffen, sehnen sich Chinesen nicht weniger als Europäer und Amerikaner".

Für die tageszeitung (taz) ist es "mitnichten ein Beweis des Vertrauens in den Euro, wenn sich China jetzt in Euroland engagiert. Hinter dem Hilfsangebot steht vielmehr die Angst eines Staates, dessen Wirtschaft allzu abhängig ist vom Export in die Länder der europäischen Gemeinschaftswährung. Dafür spricht die Bedingung, die Peking für seine Hilfe stellt: Die EU soll künftig auf Klagen wegen Dumpings verzichten". Die Kommentatoren der Zeitung aus Berlin ahnen Böses: "Es gibt ein anderes Land auf der Welt, das die gleiche Wirtschaftsstrategie fährt wie China und die gleichen Probleme damit bekommen dürfte: Deutschland. Fragt sich, wann es sich hier herumspricht, dass man die angeblich ach so undisziplinierten europäischen Schuldnerländer - immerhin die wichtigsten Handelspartner der Deutschen - nicht einfach vor die Hunde gehen lassen sollte".

Der Tagesspiegel fasst die Situation zusammen: "Deutschland allein kann die Euro-Welt nicht retten, und Amerika, von seinen neuen kompromisslosen Rechten gelähmt, bietet außer kuriosen Ermahnungen keine Hilfe mehr. Irgendwie erhoffen da manche schon eine Art Marshall-Plan aus dem eben noch fernen China. Gerade hat sich das finanziell bedrängte Italien den Chinesen angedient wie ein Drittweltland. Die Chinesen, die bereits anderen Europäern so gönnerhaft wie vage den Kauf von Euro-Staatsanleihen in Aussicht gestellt haben, zögern. Verständlicherweise. Handel und Wandel sind für Wirtschaft und Politik ja keine Frage des Altruismus".

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Susanne Niedorf-Schipke