Pressestimmen

Atommülltransport nach Russland gestoppt "Röttgen gewinnt an Statur"

Der verbiete sich angesichts des russischen Umgangs mit Atommüll nicht nur aus Umweltschutzgründen, findet die Presse. Bundesumweltminister Norbert Röttgen zeige auch, dass er kein Handlanger der Atomlobby ist.

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"Späte Einsicht": Umweltminister Röttgen hat den Transport verboten.

(Foto: dpa)

Den Münchner Kurier beschäftigt vor allem der russische Umgang mit radioaktivem Müll: "Nach allem, was man an Informationen und Bildern über den russischen Umgang mit atomarem Müll erhält und sieht, erschaudert jeder vernünftige Mensch bei dem Gedanken, dass wir aus dem Westen auch noch unseren strahlenden Abfall in das Riesenreich im Osten abgeben." Röttgen habe deshalb Recht, den geplanten Castor-Transport nach Majak zu verbieten. Ein Atomtransport wäre in diesem Fall nicht nur eine Reise ins Ungewisse, er wäre eine besonders zynische Umsetzung des St.-Florians-Prinzips. "So dürfen wir unsere hausgemachten Probleme nicht lösen", lautet das Fazit.

"Norbert Röttgen macht Ernst", schreibt die Märkische Allgemeine aus Potsdam. "Anstatt sich einen Teil der Atommüll-Altlast einfach vom Halse zu schaffen, behält Deutschland mehr als 900 Kernbrennstäbe aus dem früheren DDR-Forschungsreaktor Rossendorf und schickt sie nicht nach Russland." Das wäre juristisch völlig in Ordnung, heißt es weiter, weil im Zuge der deutschen Einigung die Rückführung radioaktiver Brennstoffe in ihre Herkunftsländer vereinbart wurde. In der Sache habe Röttgen Recht, schließt der Kommentator, denn er wahre sich "mit dieser Entscheidung seinen Anspruch auf einen ernsthaften Umgang mit der heiklen Materie: Wer hier an Reaktorsicherheit und Atommüll-Lager höchste Maßstäbe anlegen will, der kann nicht bei erster Gelegenheit strahlenden Abfall ins nächste Atomklo kippen."

"Röttgen hat nicht nur wegen seiner Wahl zum Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen CDU an Statur gewonnen", findet das Coburger Tageblatt. "Seine verantwortungsvolle Entscheidung wird es den Kernkraftgegnern schwer machen, ihn weiterhin als willenlosen Handlanger einer übermächtigen Atomlobby zu plakatieren."

Auch die Stuttgarter Zeitung sieht eine "Entspannung an der aufgeheizten Atomprotestfront". Vor allem im Hinblick auf die zahlreichen Wahlen im kommenden Jahr sei dies ein nicht zu unterschätzendes Argument. "Da macht es sich politisch gut, auf den umstrittenen Transport zu verzichten", heißt es weiter. Außerdem gebe es gute Gründe, die Brennelemente nicht den Russen zu überlassen – zum einen sei Majak eine militärische Anlage, zum anderen ließen die Sicherheitsbedingungen zu wünschen übrig und eine deutsche Beteiligung verbiete sich aus Umweltschutzgründen. "Somit hat Röttgen richtig entschieden wenngleich seine Einsicht recht spät kam", heißt es abschließend.

Quelle: n-tv.de, zusammengestellt von Markus Lippold

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