Pressestimmen

Ahmadinedschad sorgt für Eklat "Üble Provokation"

Übel, abstoßend und widerlich: Die Presse findet nach der Hetzrede Ahmadinedschads klare Worte. Das Forum der Vereinten Nationen sei missbraucht worden und neue Strukturen dringend notwendig.

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"Eine Schande für sein Land": Die Presse verurteilt die Rede des iranischen Präsidenten.

(Foto: dpa)

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Auch die Rede Gaddafis stößt auf massive Kritik.

(Foto: dpa)

Die Westfälischen Nachrichten erinnern an denkwürdige Szenen: "Die Geschichte der UNO lebt auch von Geschichten um schillernde Staatsmänner. Nikita Chruschtschow schlug 1960 mit seinem Schuh auf den Tisch. Und Jassir Arafat zog 1974 mit Pistolenhalfter ans Rednerpult." Doch davon grenzt das Blatt aus Münster die Auftritte Gaddafis und Ahmadinedschads ab, die sich als "üble Provokation und gar als abstoßender Horror" entpuppt hätten. "Der Eklat war programmiert, das Spektakel überaus beschämend. Der Wüstenschreck und die Mullah-Marionette aus Teheran haben die Bühne der Welt in New York schändlich missbraucht, um das jeweils eigene politisch anrüchige Süppchen zu kochen."

Die Nürnberger Nachrichten betonen die Notwendigkeit einer Neuordnung der Vereinten Nationen: "Wenn es noch eines Anstoßes bedurft hätte, endlich eine Reform der UNO auf den Weg zu bringen, dann haben ihn die Despoten Gaddafi und Ahmadinedschad jetzt geliefert. Ihre teils widerlichen Ergüsse haben der UNO Zeit gestohlen, während vor der Tür die globalen Herausforderungen - von der Finanzkrise über Abrüstung bis zum Klimadesaster - Schlange stehen." Daher seien neue Strukturen dringend notwendig, damit auf die weltweiten Probleme angemessener reagiert werde könne. Zwar ließen sich Aufritte wie die Gaddafis und Ahmadinedschads damit auch nicht verhindern. "Aber eine UNO, in deren Sicherheitsrat alle Weltregionen angemessen repräsentiert sind, könnte Diktatoren wie diesen beiden Herren mit einem neuen Selbstbewusstsein begegnen."

Die Berliner Zeitung hält Ahmadinedschads Rede nicht nur für antisemitisch, sondern für gefährlich. "In erster Linie für den Iran und seine Bürger, von denen zumindest ein Teil diese Aussagen genauso schändlich findet wie die Delegierten, die den UN-Saal verließen. Diese Rede führt zu einer noch stärkeren Isolation des Landes, behindert eine vernünftige Lösung im Atomstreit und provoziert neue Sanktionen." Israel könne er hingegen damit nicht schrecken. "Der Iran sei zwar eine Herausforderung für sein Land und die Welt, befand Verteidigungsminister Ehud Barak erst vor wenigen Tagen. Aber Israel sei stark, es gebe niemanden, der es in seiner Existenz gefährden könne."

Die Stuttgarter Zeitung sieht in den Vereinten Nationen zwar "weder ein demokratisches Weltparlament noch eine Weltregierung", doch böten sie "ein Forum für die Weltöffentlichkeit - ein Forum, das auch missbraucht werden kann". Die Aussage Steinmeiers nach der antisemitischen Hetzrede des iranischen Präsidenten, Ahmadinedschad sei eine Schande für sein Land, hält das Blatt für gerechtfertigt. "Der Iran hat Besseres verdient. Aber auch Libyens Staatschef Gaddafi hat es geschafft, mit einer bizarren Wutrede weltweit beachtet zu werden. Zwar ist es richtig, wenn er sagt, der Sicherheitsrat sei nicht demokratisch, aber ein 'Terrorrat' ist er nicht." Kritiker mögen die "Resolution für eine atomwaffenfreie Welt (...) als Rhetorik abtun, man kann sie jedoch auch als wichtiges Signal deuten".

Quelle: ntv.de, Zusammengestellt von Nadin Härtwig

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