Pressestimmen

Fachkräftemangel in Deutschland "Wer da nicht mitbietet ..."

Die Bundesagentur für Arbeit will dem Fachkräftemangel in Deutschland mit der Anwerbung gut ausgebildeter Südeuropäer begegnen. Ohne Frage: Eine gezielte Zuwanderung dürfte Balsam auf die Wunden des deutschen Sozialsystems sein. Und vordergründig scheint auch der europäische Gedanke zu profitieren: "Denn nur wenn die Menschen das ganze Europa als ihre Heimat begreifen, wird die EU ihre Krise überstehen." Ob Griechenland, Spanien und Portugal der Verlust ihrer "örtlichen Eliten"  tatsächlich schmecken würde, bleibt indes fraglich.   

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(Foto: picture alliance / dpa)

"Zum Werben um qualifizierte ausländische Arbeitskräfte gibt es keine Alternative", kommentiert die Westdeutsche Zeitung aus Düsseldorf. Es sei sogar das Gebot der Stunde: "Genauso wie weltweit Unternehmen beim Vertrieb im Wettbewerb stehen, wird dies immer stärker auch bei guten Mitarbeitern geschehen. Wer da nicht mitbietet, wird global abgehängt."

Die Neue Presse aus Hannover erkennt in der Anwerbung ausländischer Fachkräfte auch eine Chance für das Projekt Europa: "Denn nur wenn die Menschen das ganze Europa als ihre Heimat begreifen, wird die EU ihre Krise überstehen." Die neue Attraktivität eines Arbeitsplatzes in Deutschland für "Qualifizierte aus Spanien, Griechenland und Portugal", liege nicht nur in der Schuldenkrise begründet. Die "beschleunigt allenfalls eine Entwicklung, die für Menschen aus Polen und Ungarn ja schon lange gilt: Europas Arbeitnehmer werden flexibler und mobiler, sie gehen immer öfter dorthin, wo das Einkommen stimmt", hält das Blatt fest.

Die von der Bundesagentur für Arbeit anvisierte gezielte Abwerbung von Fachkräften aus den drei südeuropäischen Sorgenländern ist für die Stuttgarter Zeitung das falsche Zeichen an Lissabon, Athen und Madrid. "Gezielt die örtlichen Eliten zur Auswanderung zu ermuntern" sei gerade "auf dem vorläufigen Höhepunkt der Eurokrise, in der Deutschland im Süden der EU als Zuchtmeister wahrgenommen wird", Ausdruck von mangelndem "Fingerspitzengefühl".

Dahingegen glaubt die Schwäbische Zeitung aus Leutkirch, dass dem gebeutelten Südeuropa ein Exodus von gut ausgebildeten Arbeitslosen gar nicht so ungelegen käme. Schließlich würde dann "die Arbeitslosigkeit in den weniger erfolgreichen Ländern der EU verringert. Auch das können die Sozialsysteme Portugals oder Griechenlands gerade dringend gebrauchen", erklärt die Zeitung. Und auch Deutschland würde profitieren: So leide "unsere Pflege- und Rentenversicherung" unter einer immer älteren Bevölkerung. "Mehr junge Arbeitnehmer mit sehr guter Ausbildung - und gerne auch mit Familie - können hier langfristig die Bilanz verbessern", merkt das Blatt an.  

Quelle: ntv.de, zusammengestellt von Michael Kreußlein

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