Ratgeber

Xetra-Gold doch steuerfrei Bundesfinanzhof entscheidet für Anleger

Der jahrelange Streit über die Besteuerung von Xetra-Gold ist beendet. Der Bundesfinanzhof urteilt, dass Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei realisiert werden können.

431bd252f0346a0d149a9ecf153a07ea.jpg

Der Erwerb und die mögliche Veräußerung von Xetra-Gold sind wesentlich kostengünstiger als bei physischem Gold.

(Foto: dpa)

Mit ihren Urteilen (Az: VIII R 4/15 und VIII R 35/14) stufen die Richter in oberster Instanz die Inhaberschuldverschreibungen als börsengehandelten Rohstoff, also als Exchange Trades Commodities (ETCs), ein. Damit ist Xetra-Gold in steuerlicher Hinsicht genauso wie Münzen und Barren aus physischem Gold zu behandeln. Wenn der Anleger sie länger als zwölf Monate gehalten hat, unterliegen beim Verkauf erzielte Gewinne nicht der Abgeltungssteuer.

Hintergrund: Da die Schuldverschreibung keine Kapitalforderung verbrieft, sondern einen Anspruch auf eine Sachleistung, wird ein vermeintlich erzielter Veräußerungsgewinn nicht den Einkünften aus Kapitalvermögen zugeordnet. Abgeltungssteuer wird auch dann nicht fällig, wenn sich der Anleger das ihm zustehende physische Gold ausliefern lässt. Unter dem Strich stellt der Bundesfinanzhof (BFH) den Kauf und die Einlösung oder den Verkauf der Inhaberschuldverschreibung dem direkten Erwerb und der späteren Veräußerung von Goldmünzen und -barren gleich.

Xetra-Gold ist in Deutschland die am weitesten verbreite Gold-Anleihe. Emittent ist hier die Deutsche Börse Commodities. Ihr gegenüber kann der Anleger jederzeit seinen Anspruch auf Lieferung der verbrieften Menge Gold geltend machen. Für einen Anteilsschein gibt es ein Gramm Gold. Aufgrund der Kosten für das Gießen der Goldbarren, die Versicherung und den Transport lohnt sich eine Auslieferung allerdings erst ab einer großen Menge von Anteilen.

Wesentlich geläufiger ist daher der Handel von Xetra-Gold an der Börse. Die Gold-Anleihe wird börsentäglich mit einer minimalen Differenz zwischen An- und Verkaufskurs gehandelt. Der Erwerb und die mögliche Veräußerung sind damit wesentlich kostengünstiger als bei physischem Gold. Außerdem entfällt die Lagerproblematik. Das erklärt auch die Beliebtheit von Xetra-Gold, von dem mittlerweile Anteile im Wert von rund zwei Milliarden Euro im Umlauf sind. Das entspricht in etwa gut 59 Tonnen Gold.

Hohes Maß an Sicherheit

Damit die Auslieferung gewährleistet ist, ist Xetra-Gold zu 95 Prozent durch physisches Gold gedeckt. Doch vom möglichen Tausch machen tatsächlich nur wenige Anleger Gebrauch. Seit dem Start von Xetra-Gold vor acht Jahren wurden laut Deutsche Börse Commodities nur rund vier Tonnen Gold ausgeliefert. Das entspricht in etwa sieben Prozent der im Umlauf befindlichen Xetra-Gold-Anteile.

Bormann Dach.jpg

Dr. Michael Bormann, Steuerexperte und Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner www.bdp-team.de

Fraglich ist, ob die BFH-Urteile außer für Xetra-Gold auch für andere Gold-Anleihen oder Zertifikate gelten. Denn für die Richter war mit entscheidend, dass Xetra-Gold ausschließlich eine Sachleistung verbrieft - nämlich die Auslieferung des physischen Golds. Eine Auszahlung in bar, also eine Geldleistung, ist bei Xetra-Gold nicht vorgesehen. Ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium war die nahezu vollständige Besicherung durch physisches Gold. Andere an der Börse gehandelten Exchange Traded Commodities oder Zertifikate, deren Notiz an die Entwicklung des Goldpreises gekoppelt ist, weisen zum Teil andere Merkmale als Xetra-Gold auf. Beispielsweise gibt es bei Euwax-Gold eine Auslieferung erst ab 100 Gramm beziehungsweise einem Vielfachen davon. Eine Übertragung des BFH-Urteils auf andere Produkte ist somit nicht ohne Weiteres möglich.

Seit dem Jahr 2009 haben die Depotbanken auf Geheiß des Fiskus bei Xetra-Gold realisierte Kursgewinne mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt und an die Finanzverwaltung abgeführt. Anleger, deren Steuerveranlagung noch offen ist oder die Einspruch eingelegt haben, können sich jetzt auf die Urteile des BFH berufen und ihr Geld zurückfordern.

Das BHF-Urteil hat auch für Anleger Konsequenzen, die noch in Xetra-Gold investiert sind. Sie sollten unbedingt beachten, dass jetzt Kursgewinne, die innerhalb der zwölfmonatigen Spekulationsfrist realisiert werden, zwar nicht der Abgeltungssteuer, jedoch dem persönlichen Steuersatz unterliegen.

Schließlich muss, wie bei anderen BFH-Entscheidungen, die dem Fiskus nicht gefallen, abgewartet werden, ob eine Gesetzesänderung vorgenommen wird. Davon betroffen wären dann die zukünftigen Käufe und wahrscheinlich auch noch die Anleger, bei denen das Spekulationsjahr zum Zeitpunkt der Änderung noch nicht abgelaufen ist.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema