Ratgeber

Bett auf vier Rädern Darf man im Auto wohnen?

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Schlafen im Auto ist okay. Beischlaf könnte dagegen als öffentliches Ärgernis gewertet werden.

(Foto: imago/Mint Images)

Ein kurzes Nickerchen auf dem Parkplatz ist kein Problem. Aber wie sieht die Rechtslage aus, wenn man langfristig im Auto schläft? Darf man in Deutschland seinen Wohnsitz ins Fahrzeug verlagern?

Wenn einen am Steuer die Müdigkeit überkommt, fährt man am besten auf den nächstbesten Rastplatz und hält dort ein Nickerchen. Das ist vernünftig und niemand wird dagegen etwas einzuwenden haben. Aber wie sieht die Sache aus, wenn man nicht nur ein halbes Stündchen im Auto schlummert, sondern darin übernachtet? Vielleicht sogar auf Dauer? Darf man im Auto wohnen?

In der Straßenverkehrsordnung wird das Schlafen im Auto nicht erwähnt. Folglich ist es auch nicht verboten. Man muss sich dabei nur an die generellen Regeln fürs Halten und Parken halten, die in Paragraph 12 der StVO festgelegt sind. Die Kurzform: Stellt man den Wagen am Straßenrand ab, darf man dabei niemanden behindern. Ob man das geparkte Auto verlässt oder darin liegen bleibt, ist egal. Man sollte sich nur nicht unbedingt einen kostenpflichtigen Parkplatz aussuchen, denn hier muss man natürlich ein Ticket lösen - auch wenn man im Auto bleibt. Und wenn man sich zum Schlummern auf einen privaten Parkplatz stellt, vergewissert man sich besser, ob das auch erlaubt ist. Viele Supermärkte etwa lassen ihre Stellplätze inzwischen überwachen. Kunden müssen dann eine Parkscheibe verwenden und Dauerparker werden abgeschleppt.

Vorsicht beim Ausnüchtern

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Wer seine Wohnung aufgibt und im Auto schläft, muss sich abmelden.

Manchmal ist der Schlafplatz im Auto nur die Notlösung, weil man zum Fahren zu betrunken ist. Rausch-Ausschläfer machen sich am besten auf dem Beifahrersitz breit und ziehen sicherheitshalber auch den Schlüssel ab, rät der Deutsche Anwaltverein (DAV). Wenn man viel Pech hat, könnten eifrige Polizisten die Situation sonst als Fahrversuch bei Trunkenheit auslegen. Um der eigenen Gesundheit willen sollte man beim Ausnüchterungsschlaf außerdem das Fenster einen Spalt offen lassen, um die Sauerstoffzufuhr zu sichern. Wer schwer verkatert im überhitzten Auto erwacht, wird vermutlich noch eine ganze Weile fahruntüchtig bleiben.

Für Wohnmobile oder Wohnwagen gilt übrigens Ähnliches wie für Autos: Es spricht nichts dagegen, im Fahrzeug zu übernachten, es sei denn, Campieren ist auf dem Parkplatz ausdrücklich verboten. Das mobile Heim sollte allerdings nur eine Nacht an der selben Stelle stehen. Das zählt straßenrechtlich noch zum sogenannten Gemeingebrauch. Dauercampen dagegen könnte Ärger geben. Das ist dann nämlich eine Sondernutzung und die muss genehmigt werden.  

Nicht unangenehm auffallen

Verkehrsrechtlich ist das Auto als Schlafplatz also kein Problem. Verwaltungsrechtlich könnte es zu einem werden, wenn man quasi im Auto wohnt. Richtet man sich dauerhaft an einem Stellplatz ein, wird man damit womöglich früher oder später das nähere Umfeld beeinträchtigen. Vielleicht stellt man einen Campingstuhl neben den Wagen, womöglich auch einen Tisch. Vielleicht nutzt man umliegendes Gebüsch, um Darm und Blase zu erleichtern. Und vielleicht hinterlässt man Müll, an dem sich Anwohner stören. Kurz: Wenn man als Dauercamper auffällt, könnte dies das Ordnungsamt oder die Polizei auf den Plan rufen. Und die könnte dann einen Platzverweis aussprechen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen. Strafen haben die Dauercamper aber nicht zu befürchten, jedenfalls nicht für das Schlafen im Auto. Wer häufiger den Standort wechselt, wird wohl auch keinen Ärger bekommen.

Ein weiteres verwaltungsrechtliches Thema ist die Meldepflicht. Manchmal ist das Auto die letzte Zufluchtsmöglichkeit, wenn man nicht unter einer Brücke schlafen möchte. Nach einer Zwangsräumung etwa, oder nach einer Trennung. Zieht man daraufhin in einen Wohnwagen oder in ein Wohnmobil, kann man den festen Stellplatz in manchen Bundesländern als neuen Wohnsitz anmelden. Wenn man im Auto übernachtet, geht das nicht. Vielleicht hat man Freunde oder Verwandte, die einem die eigene Adresse zur Verfügung stellen. Solche "Scheinadressen" sind nach dem neuen Meldegesetz allerdings strafbar. Wer ganz legal im Auto wohnen möchte, muss den  bisherigen Wohnsitz abmelden. Im Ausweis steht dann "Ohne festen Wohnsitz".

Quelle: ntv.de, ino

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