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Nur eins besteht den Test gut Fitnessstudios: Billig, aber schlecht betreut

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(Foto: imago/Westend61)

Viel Training für wenig Geld, damit werben Discounter-Fitnessketten wie McFit. Bei der Stiftung Warentest kommt der Marktführer aber nicht besonders gut weg. Den Testsieg fährt ein Anbieter ein, um den Discopumper normalerweise einen Bogen machen.

Es muss ja nicht gleich der Waschbrettbauch sein. Regelmäßiges Fitnesstraining verbessert das Herz-Kreislauf-System, lässt Fettpolster schmelzen und stärkt nicht nur den Rücken sondern auch das Immunsystem. Vorausgesetzt, man trainiert richtig. Und das ist für Anfänger gar nicht so einfach, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt. Sieben der größten deutschen Fitnessketten haben sich die Tester genauer angesehen, nur eine davon bestand mit "gut", bei vielen könnte die Betreuung besser sein.

Um ein umfassendes Bild zu erhalten, prüfte die Stiftung jeweils fünf Filialen jeder Studio-Kette. 35 Test-Kunden meldeten sich dafür an. Für die Studio-Neulinge standen zunächst ein Fitness- und Gesundheitscheck sowie ein Einführungstraining auf dem Programm. Dabei sollte auch ein Trainingsplan erstellt werden. Das klappte mehr oder weniger gut, durchwegs empfehlenswert war nur Kieser Training. Der Anbieter aus der Schweiz ist erste Adresse für Rückengeplagte und hat sich schon vor Jahrzehnten auf gesundheitsorientiertes Gerätetraining spezialisiert. Zumbakurse oder Hantelbänke gibt es hier ebenso wenig wie Laufbänder oder Ergometer. Dafür gibt es das, woran es anderen Studios oft mangelt: eine sehr gute Einführung sowie aufmerksame und kompetente Trainer.

Viele Geräte, wenig Personal

Bei Kieser sind sie auch meist präsent und wenn es nötig ist, greifen sie korrigierend ein. Keine Selbstverständlichkeit: Die Testkunden stellten Geräte bewusst falsch ein oder führten Bewegungen nicht richtig aus. Das fiel den Mitarbeitern aber nur selten auf. Wenn die Sportler über gesundheitliche Beschwerden klagten, wurden sie zum Teil nicht richtig ernst genommen. Bei Schwindelgefühlen etwa empfahl der Trainer in einem Clever-Fit-Studio nur eine kleine Pause und einen Schluck Wasser. Bei echten Gesundheitsproblemen wäre das ziemlich nachlässig.

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Wenn Bewegungen nicht richtig ausgeführt werden, leiden Sehnen, Gelenke und Bänder.

(Foto: imago/Westend61)

Das Personal ist die Schwachstelle vieler Studios. Gerade Discounter investieren zwar in einen beeindruckenden Gerätepark, sparen aber an kompetenten Trainern. In den Studios des Markführers McFit hätten die Undercover-Kunden oft nur einen Mitarbeiter gesehen, berichtet "Test". Der musste dann sowohl den Empfang als auch die Trainingsfläche im Blick haben und manchmal auch noch die Duschen wischen. Kurse laufen hier ohnehin per Videoprogramm, der Kontakt mit dem Personal beschränkt sich folglich oft auf "Hallo" und "Tschüss".

Zumindest die Reinigung scheint aber gut zu funktionieren. An der Sauberkeit gab es nichts auszusetzen, weder bei McFit noch bei der Konkurrenz. Und auch sonst waren die Räumlichkeiten durchweg in Ordnung. Ekelduschen, finstere Umkleidekabinen oder miefende Kursräume findet man bei den modernen Studios normalerweise nicht, und auch die Ausstattung war bei allen Anbietern gut oder sehr gut. FitX und Clexer Fit überzeugten mit einem großen Gerätepark, sowohl im Kraft- als auch im Ausdauerbereich. Injoy punktete in vielen Studios mit Sauna und Solarium sowie mit Serviceangeboten wie Kinderbetreuung. Eltern könnten auch bei Fitness First auf ihre Kosten kommen. Die Standardclubs der Kette laufen unter dem Namen "Lifestyle" und bieten nicht nur viele Extraleistungen, sondern Einsteigern auch individuell zugeschnittene Trainingspläne. Allerdings mangelt es auch hier an der Überwachung durch fachkundiges Personal. Bei Jahresbeiträgen zwischen 600 und 1000 Euro sollte man anderes erwarten können.

Preisstrukturen nicht immer transparent

Wer möglichst günstig trainieren will, landet am Ende bei den Discountern. Keiner ist billiger als McFit, inklusive aller Nebenkosten zahlt man hier im ersten Jahr knapp 260 Euro. FitX ist gut 10 Euro teurer, kommt in der Gesamtwertung aber auch besser weg - nämlich "befriedigend" - was vor allem der etwas umfangreicheren Ausstattung geschuldet ist. Beide Anbieter werben mit ihren niedrigen Gebühren, Neumitglieder zahlen bundesweit 20 Euro im Monat. Wer dagegen bei Injoy oder Clever Fit nach Preisen fragt, wird oft im Unklaren gelassen, bzw. mit undurchsichtigen Gebührenmodellen verwirrt. Die Tester haben dann aber doch noch Zahlen bekommen: Bei Injoy kostet die Mitgliedschaft im ersten Jahr zwischen 720 und 1020 Euro, bei Clever Fit 400 Euro. Beim Testsieger Kieser Training schwanken die Jahressätze je nach Standort zwischen 590 und 660 Euro.

Verträge mit dem Fitnessstudio laufen normalerweise für zwölf Monate und verlängern sich um ein weiteres Jahr, wenn man nicht rechtzeitig kündigt. Schwierig für alle, die nicht so lange planen können: Bei einem Umzug gibt es kein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Nur bei Schwangerschaften oder ernsten Krankheiten ist ein vorzeitiger Ausstieg möglich. Easyfitness, Fitness First und Injoy bieten Verträge mit kürzeren Laufzeiten ab einem bzw. drei Monaten an. Wer einfach ein paar Wochen Trainingspause nehmen will, kann den Vertrag bei den anderen Anbietern aber auch ohne besondere Nachweise unterbrechen.

Fazit: Gesundheitsorientierte Kunden sind am besten bei Kieser-Training aufgehoben, insbesondere wenn sie wenig Erfahrung haben und auf kompetente Betreuung angewiesen sind. Bei Easyfitness und Injoy ist die Trainer-Verfügbarkeit wenigstens "befriedigend". Wer weiß, was und wie er trainieren will, findet bei FitX für wenig Geld gute ausgestattete Studios, die rund um die Uhr geöffnet haben. 24 Stunden-Training gibt es sonst nur bei McFit, der Marktführer schneidet aber insgesamt nur ausreichend ab.

Quelle: n-tv.de, ino

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