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Streitfall um den Arbeitsplatz Gibt es einen Anspruch auf Homeoffice?

In Deutschland hat der Arbeitgeber in Sachen Home-Office ein Mitspracherecht. Foto: Daniel Naupold

In Deutschland hat der Arbeitgeber in Sachen Homeoffice ein Mitspracherecht.

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Die Arbeit von zu Hause aus hat oft Vorteile für Berufstätige. Und wenn ein Mitarbeiter das darf, dürfen alle anderen das automatisch auch, oder? Ganz so einfach ist es nicht.

Arbeitet ein Kollege im Homeoffice, möchten andere Mitarbeiter das oft auch. Aber lässt sich alleine daraus ein Anspruch ableiten? "Nein", erklärt Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. "Aktuell gibt es keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice." Allenfalls in Sonderfällen könne sich nach Stimmen in der Rechtsprechung zum Beispiel für Menschen mit Behinderung aus dem Sozialgesetzbuch ein solcher Anspruch ergeben.

Möglicherweise können Arbeitnehmer in einem solchen Fall aber den Anspruch auf Homeoffice unter dem Aspekt der Gleichbehandlung durchsetzen. "Wenn der Arbeitgeber zum Beispiel acht Mitarbeitern mit ähnlichem Profil im Unternehmen Homeoffice gestattet und zwei weiteren nicht, könnte es für den Arbeitgeber auch rechtlich schwierig werden, diese Ungleichbehandlung zu begründen", sagt Meyer.

Einer von 100 oder nur einer nicht?

Ist Homeoffice aber zum Beispiel bestimmten Arbeitnehmergruppen, etwa ausschließlich Führungskräften oder Vertriebsmitarbeitern vorbehalten, sei das gerechtfertigt. Für andere Mitarbeiter entsteht daraus kein Anspruch auf Gleichbehandlung.

Kommt der Aspekt der Gleichbehandlung ins Spiel, handelt es sich Meyer zufolge aber immer um eine Einzelfallabwägung. "Darf einer von 100 Mitarbeitern im Homeoffice arbeiten, lässt sich daraus kaum ein Anspruch auf Homeoffice für die anderen 99 Mitarbeiter ableiten", so Meyer. "Bei 98 von 100 Mitarbeitern im Homeoffice sieht dies aber anders aus."

Komplizierter wird es bei der Frage, ob der Arbeitgeber Mitarbeiter im Homeoffice wieder zurückholen kann. Denn das betrifft eigentlich zwei Fragen: die Betriebsstätte im Zuhause des Arbeitnehmers und dessen Aufenthalt dort. Über die Betriebsstätte gibt es im Idealfall eine vertragliche Vereinbarung, hier gelten dann die entsprechenden Regeln zur Kündigung. Die Rückkehr des Arbeitnehmers ins Büro ist mangels bindender Vertragszusagen rechtlich eine Versetzung - da gelten die gleichen Regeln wie sonst auch.

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Quelle: n-tv.de, awi/dpa