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Große Vielfalt, gute Qualität: Craft-Bier überzeugt im Test.
Große Vielfalt, gute Qualität: Craft-Bier überzeugt im Test.(Foto: dpa)
Freitag, 28. April 2017

Craft-Bier im Test: Hier schmeckt der Rausch

Nach jahrelanger Durststrecke ist Bier wieder im Kommen. Nicht zuletzt wegen vieler kleiner Brauereien, die das angesagte Craft-Bier herstellen, welches derzeit in aller Munde zu sein scheint. Öko-Test hat einen kräftigen Schluck aus der Pulle genommen.

Im vergangenen Jahr konnten in Deutschland 1408 Brauereien gezählt werden. Dies ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung 1990. Maßgeblich für diesen Zuwachs ist der Trend zu aromaintensiveren Craft-Bieren, die oft in kleinen Gasthausbrauereien entstehen. Insgesamt schütten die Deutschen denn auch rund 106 Liter pro Kopf und Jahr in sich hinein. Zumindest nach offiziellen Zahlen süffeln nur die Tschechen mehr (143 Liter pro Kopf).

Kleine Bierkunde

India Pale Ale (IPA): Ursprünglich wurde das Bier in England gebraut und war für die indischen Kronkolonien bestimmt. Um bei den damals noch langen Seefahrten haltbar zu machen, verwendeten die Brauer doppelt so viel Hopfen wie für Pils etwa. Zudem weißt das IPA einige Promille mehr auf . Es schmeckt stark, besonders bitter und hat ein sehr ausgeprägtes Hopfenaroma.

Pale Ale: Auch dieser Trunk stammt aus England. Es ist ein obergäriges und helles Bier, das weniger stark gehopft ist als das IPA. Das Hopfenaroma ist weniger ausgeprägt als beim IPA; der Geschmack von Hopfen und Malz ist ausbalancierter. Dennoch bleibt es im Vergleich mit anderen Biersorten ein hopfenbetontes Bier. Auch Stammwürze, Alkoholgehalt und Bittere sind geringer als beim IPA. Den Geschmack könnte man laut Öko-Test also als "massentauglicher" als den des IPA beschreiben.

Pils: Das Pils ist ein untergäriges Bier, das nicht etwa ein Böhme in Pilsen, sondern ursprünglich ein Bayer (in Pilsen) erfunden hat. Und gerade die trinken es heute am wenigsten; das Pils ist hauptsächlich im Norden der Republik verbreitet. Es schmeckt hopfig-herb. Böhmische Pilsbiere haben oft auch eine malzige Restsüße, die norddeutsche Pils nicht haben.

Witbier: Das Witbier ist auch als "belgisches Weißbier" bekannt und obergärig. Es wird unter Zugabe von Gewürzen (oft Koriander) oder Orangenschalen gebraut. Da es nicht filtriert wird, ist es typischerweise trüb. Im Gegensatz zum deutschen Weißbier ist die Farbe sehr hell. Es chmeckt fefearomatisch, leicht-fruchtig.

Craft-Bier ist bei den Konsumenten vor allem deshalb gefragt, weil es mehr Individualität und Qualität verspricht als die "Industrieplörre" der Großbrauereien. Getrunken wird es denn auch vor allem in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Köln. Ursprünglich kommt der Trend für hochwertige Biere aus den USA. "Craft" steht für handgemacht. Das klingt vielversprechend.

Eigentlich nur Gerste, Hopfen und Wasser

Laut dem Reinheitsgebot von 1516 dürfen zum Brauen hierzulande eigentlich nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden. Rechtlich bindend ist in Deutschland hingegen das "Vorläufige Biergesetz" von 1993, wonach fast nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser zugelassen sind. Für obergäriges Bier sind zusätzlich einige Zuckerarten und Farbmittel erlaubt. Außerdem dürfen Brauer einige Klärmittel verwenden, wenn diese wieder herausgefiltert werden.

Beim Craft-Bier wird hingegen auch munter mit anderen Zutaten wie Ingwer, Kirschen und Kaffee experimentiert, was den Bieren allerdings nicht zum Schaden gereicht, wie Oko-Test in einer aktuellen Untersuchung von 19 Bieren festgestellt hat. So wurde bei den getesteten Sorten India Pale Ale (IPA), Pale Ale, Pils und Witbier keines schlechter als "befriedigend" bewertet. Vielmehr vergaben die Tester überwiegend "gute" und "sehr gute" Noten.

Geschmacklich konnten vor allem das Witbier "Kuehnes Blondes" (Preis pro 330 ml, 2,29 Euro), das "Lemke Bohemian" Pilsner (Preis pro 330 ml, 2,49 Euro) und das India Pale Ale "Crew Republic 7:45 Escalation" (Preis pro 330 ml, 2,19 Euro) überzeugen. Für das "Kuehnes Blondes" und das "Crew Republic 7:45 Escalation" reichte es gemeinsam mit dem "Ale Mania Ipa Mania" (Preis pro 330 ml, 2,92 Euro) auch zum Gesamtsieg. Alle drei wurden mit der Note "sehr gut" bewertet.  

Erfreulicherweise fanden die Tester nur bei einigen Bieren unnötig hohe Vorkommen des Pestizids Glyphosat oder aber Milchsäurebakterien, was zu einer Abwertung des Produktes führte. Doch insgesamt sind fast alle Biere empfehlenswert.

Dennoch sollten Zecher auch beim Craft-Bier nicht hemmungslos zulangen. Denn auch hier gilt: analog zum Promillepegel steigt die Wahrscheinlichkeit, am nächsten Tag unter Kopfschmerzen zu leiden. Zudem sei an dieser Stelle auf eine Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums verwiesen, wo es heißt: "Alkohol macht mehr kaputt als du denkst". Na dann Prost.

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Quelle: n-tv.de