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Gestreckter Kaffee Kundentäuschung mit Melange

Während der Kaffeepreis durch die Decke geht, werden die Hersteller kreativ: Sie mischen Maltrodextrin oder Karamell ins Pulver und sparen so nicht nur den teuren Rohstoff, sondern auch Steuern. Verbraucherschützer fordern klare Kennzeichnungen.

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Die Verbraucherzentrale Hessen hat die Angebote unter die Lupe genommen.

(Foto: Verbraucherzentrale Hessen)

"Melange" – das klingt erstmal ziemlich edel. Man denkt an die Wiener Melange, diese Mischung aus Mokka und Milch, oder an die Schweizer Variante mit Schlagsahne. Das alles hat allerdings wenig mit dem zu tun, was im Kaffeeregal von Supermärkten gemeinhin als "Melange" verkauft wird. Dort steht der Begriff einfach für eine Mischung aus Kaffee und billigen Zuckerstoffen.

Die "Melange"-Packungen von Tchibo, Onko und Co enthalten nur zu knapp 90 Prozent Röstkaffee. Der Rest besteht aus Maltrodextrin und Karamell. Alles zum Wohle des Kunden, sagen die Kaffeeröster. Die Zuckerstoffe dienten schließlich der Geschmacksverbesserung. So wirbt beispielsweise Röstfein Kaffee auf  der "Rondo Melange"-Packung mit erlesenem Kaffeegenuss, "veredelt mit kandierten Bohnen". Veredeln dürfte der Zuckerzusatz aber vor allem die Bilanzen der Hersteller. Denn für sie rechnet sich die Sache gleich doppelt: Zum einen sparen sie Kaffee. Der Rohstoff ist allein in den letzten zwei Monaten um fast ein Viertel teurer geworden, da liegt es nahe, das Pulver mit billigen Zuckerstoffen zu strecken. 

Mischen spart Steuern

Zum anderen sparen die Röstereien aber auch jede Menge Steuern. Für jedes Kilo Kaffee gehen 2,19 Euro Röststeuer an den Fiskus. Da machen 50 Gramm mehr oder weniger schon einen gewissen Unterschied. Zumal der Steuersatz durch ausreichende Beimischung sinkt. Enthält eine Packung höchstens 90 Prozent Kaffee, dann handelt es sich steuerrechtlich gar nicht mehr um Kaffee, sondern um kaffeehaltige Ware. Und die wird mit maximal 1,76 Euro pro Kilo besteuert. Kein Wunder also, dass etwa "Eduscho Gala" oder die Onko-Kaffees nur noch 89 oder 88 Prozent Röstkaffee enthalten - jede 500 Gramm-Packung wird auf diese Weise gut 20 Cent günstiger.

Was Verbraucherschützer an der Sache besonders ärgert: Viele Kunden wissen nicht genau, was sie da kaufen. Zwar kennzeichnen die Hersteller ihre Melange-Kaffees inzwischen mit dem Hinweis "Röstkaffee mit Karamell" – das ist das Ergebnis eines gerichtlichen Vergleichs mit der Wettbewerbszentrale Hamburg. Doch bei Kaffeebezeichnungen wie " Der Harmonische – klassisch" übersieht man meist, dass es sich nicht um reinen Kaffee handelt. "Durch die Bezeichnung 'klassisch' werden Verbraucher besonders in die Irre geführt", kritisiert Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. Um Verwechslungen zu vermeiden, fordern die hessischen Verbraucherschützer eine eindeutige, leicht erkennbare Verkehrsbezeichnung für Melange-Kaffees. Auch die Aufmachung müsse sich eindeutig vom hundertprozentigen Röstkaffee unterscheiden.

Wenn es den Herstellern tatsächlich um Geschmacksverbesserung ginge, hätten sie übrigens noch andere Möglichkeiten: sie könnten hochwertigere Sorten verwenden und die Bohnen schonender rösten. Billiger wird die Sache dadurch allerdings nicht.

Quelle: n-tv.de, ino

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