Ratgeber

Mehrweg oder Einweg? Pfandsystem soll einfacher werden

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25 Cent werden auf Einwegflaschen und Dosen aufgeschlagen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Bei Flaschensammlern sind Einwegflaschen besonders beliebt. Sie bringen am meisten Pfand, nämlich 25 Cent. Für Mehrwegflaschen gibt es nur 8 bis 15 Cent. Anders als den Sammelprofis ist vielen Käufern der Unterschied gar nicht klar. Das soll sich ändern.

Beim Getränkekauf sollen Kunden künftig auf den ersten Blick erkennen, ob sie eine Einweg- oder eine Mehrwegpackung in der Hand haben. In Läden soll es dafür Schilder an den Verkaufsregalen geben, heißt es in einem Gesetzentwurf, der im Oktober vom Bundeskabinett beraten werden soll. Seit 2003 gibt es das "Dosenpfand" für Einwegflaschen und Getränkedosen. Doch auch mehr als zehn Jahre danach hatte noch jeder zweite Bundesbürger Probleme, Ein- und Mehrwegverpackungen zu unterscheiden. Das zeigt eine Umfrage aus dem Jahr 2014. Künftig sollen die Hinweise mit "Einweg" oder "Mehrweg" deshalb mindestens so groß gedruckt sein wie die Preisangabe. Der Gesetzentwurf soll im Oktober vom Bundeskabinett beraten werden.

Außerdem wird nach dem Plan von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) für eine neue Gruppe von Getränken Pfand fällig: Frucht- und Gemüse-Nektare mit Kohlensäure waren bisher von der Pfandpflicht befreit. Damit soll Schluss sein. Verbraucherschützer hatten kritisiert, dass etwa auf Apfelschorle kein Pfand gezahlt werden musste, wenn sie als "kohlensäurehaltiger Apfelnektar" deklariert wurde. Die 25 Cent Pfand gelten für Getränkeverpackungen bis zu drei Litern, die "ökologisch nicht vorteilhaft" sind. Erfrischungsgetränke in Tetrapacks etwa können ohne Aufschlag verkauft werden. 

Weit vom Ziel entfernt

Ziel des neuen Verpackungsgesetzes ist die "Stärkung der ökologisch als vorteilhaft eingestuften Mehrweggetränkeverpackungen", wie es in der Begründung heißt. Das Umweltministerium will seit Jahren die Verbraucher dazu bringen, Mehrwegflaschen zu kaufen, die nach der Reinigung wieder befüllt werden können. Ziel waren eigentlich 80 Prozent Mehrweg. 2014 lag der Anteil nach Angaben des Umweltministeriums aber gerade mal bei 45,1 Prozent und war damit über zehn Jahre stetig gesunken.

In den Erläuterungen zum neuen Gesetzentwurf heißt es denn auch, die bisher bestehende, unverbindliche "Zielquote für Mehrweg- sowie ökologisch vorteilhafte Einweggetränkeverpackungen" habe sich "nicht als wirksames Instrument" erwiesen.
Bereits Ende Juni hatten sich 42 deutsche Handelsunternehmen und Getränkehersteller freiwillig selbst verpflichtet, ihre Einweg-Pfandflaschen demnächst deutlicher zu kennzeichnen als bisher - darunter Branchengrößen wie Coca-Cola, PepsiCo Deutschland, Gerolsteiner, Lidl, Netto, Aldi und Rewe. Die Deutsche Umwelthilfe und andere Organisationen hatten kritisiert, dass dies nicht verbindlich sei und nicht alle Getränke abdecke. Die Verbraucherschützer fordern, die Kennzeichnung auf den Flaschen gesetzlich festzuschreiben, damit Sanktionen möglich seien.

Quelle: ntv.de, ino/dpa