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Wer seinen Führerschein nur vergessen hat, zahlt zehn Euro Bußgeld. Deutlich teurer sind die Strafen, wenn man gar keine Fahrerlaubnis besitzt.
Wer seinen Führerschein nur vergessen hat, zahlt zehn Euro Bußgeld. Deutlich teurer sind die Strafen, wenn man gar keine Fahrerlaubnis besitzt.(Foto: imago/HMB-Media)
Donnerstag, 19. Juli 2018

Ohne Führerschein am Steuer: Sind Fahrübungen auf dem Parkplatz erlaubt?

Von Isabell Noé

Ohne Führerschein darf man kein Auto fahren, zumindest nicht auf öffentlichen Straßen. Aber wo dann? Wer glaubt, sich auf Privatgrundstücken legal austoben zu können, irrt.

Es gibt nur wenige Möglichkeiten, ohne Führerschein legal ein Auto zu lenken. Die naheliegendste: Es handelt sich um einen Fahrschulwagen mit einem wachsamen Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz. Eine andere Variante: Man fährt einfach dort, wo das Autofahren auch ohne Führerschein erlaubt ist. Aber wo ist das? Darf man abseits öffentlicher Straßen auch ohne Fahrerlaubnis aufs Gas treten? Was ist mit Privatgrundstücken oder Parkplätzen?

Grundsätzlich gilt: Fahren ohne Fahrerlaubnis ist keine simple Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Eine, die ziemlich häufig begangen wird. Nach den letzten Zahlen des statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2014 handelt es sich sogar um das zweithäufigste Verkehrsdelikt nach Trunkenheit im Straßenverkehr. Die Dunkelziffer dürfte ziemlich hoch sein, denn das Risiko, aufzufliegen, ist gering. Werden Bußgelder gleich beglichen, prüfen die Behörden normalerweise garnicht, ob der Fahrer überhaupt einen Führerschein hat. Oft fallen die Schwarzfahrer nicht mal dann auf, wenn sie Punkte in Flensburg sammeln.  

Die größte Gefahr für sie sind Polizeikontrollen. Wer bei der Frage nach dem Führerschein passen muss, dem drohen laut Straßenverkehrsgesetz hohe Geldstrafen oder im schlimmsten Fall bis zu ein Jahr Haft. Ersttäter landen aber nur sehr selten hinter schwedischen Gardinen. Und Jugendliche, die vor der Führerscheinprüfung noch etwas Fahrpraxis sammeln wollen, kommen meist noch glimpflich mit einigen Sozialstunden davon. Zusätzlich sind aber auch Sperrzeiten möglich, bevor die Prüfung abgelegt werden kann. Das gilt für Neulinge genauso wie für diejenigen, denen die Fahrerlaubnis bis auf Weiteres entzogen worden ist.

Umzäunung muss sein

Wer keinen Führerschein (mehr) hat, sollte also auf öffentlichem Gelände die Finger vom Steuer lassen. Und öffentlich sind nicht nur Straßen, Feldwege oder abgelegene Brachflächen in staatlicher Hand, sondern grundsätzlich alles, was nicht privat und umzäunt ist. Der Supermarktparkplatz im Gewerbegebiet etwa gehört vielleicht nicht der Kommune. Trotzdem darf hier niemand ohne Fahrerlaubnis Bremsmanöver üben oder das Kurvenverhalten austesten.

Das geht nur auf einem Privatgrundstück, das nicht öffentlich zugänglich ist. Ein Privatparkplatz mit abgeschlossener Schranke wäre so eine Variante, oder andere Flächen, die ummauert oder umzäunt sind. Voraussetzung ist natürlich immer, dass der Eigentümer den Übungsfahrten zustimmt. Wer gute Freunde mit umfriedeten Ländereien hat, ist also klar im Vorteil.

Kurven auf dem Übungsplatz

Eine Lösung für alle, die solche Möglichkeiten nicht haben, sind Verkehrsübungsplätze. Ab einem Mindestalter von 17, teils 16 Jahren kann man hier auch ohne Führerschein herumkurven. Allerdings nicht allein, sondern nur mit einem Beifahrer mit gültiger Fahrerlaubnis. Im Idealfall ist das der Besitzer, auf den auch die Versicherung läuft. Die Preise für Übungsplätze liegen zwischen 7 und 20 Euro pro Stunde, mit Mehrfachkarten wird es günstiger. Oft ist in dem Preis auch eine Tageshaftpflichtversicherung inbegriffen, ansonsten kann man sie dazu buchen. Das ist sinnvoll, sonst muss der Besitzer bei einem Crash um seine Schadenfreiheitsklasse fürchten.

Egal, ob auf dem Übungsplatz oder auf öffentlichen Straßen: Die Haftpflichtversicherung zahlt auch dann, wenn der Unfallfahrer ohne Führerschein unterwegs war - vorausgesetzt natürlich, das Fahrzeug war überhaupt versichert. Damit ist der Autobesitzer aber nicht aus dem Schneider. Wenn die Sache auffliegt, kann die Versicherung den Halter in Regress nehmen und zumindest einen Teil des Geldes zurückfordern.

Quelle: n-tv.de