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Ausweis abgelaufen So klappt's trotzdem mit der Reise

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Innerhalb des Schengenraums gibt es keine Grenzkontrollen. Oft kontrollieren die Airlines aber die Identität ihrer Passagiere.

imago/Schöning

Bis ein neuer Ausweis fertig ist, dauert es ein paar Wochen. Blöd, wenn man kurz vorm Urlaub feststellt, dass das Dokument abgelaufen ist. Kann man sich den Weg zum Flughafen dann sparen?

Die Flüge sind schon lange gebucht, die Koffer gepackt, die Tickets ausgedruckt. Auch der Reisepass findet sich nach längerem Suchen. Das Problem ist nur: Er ist nicht mehr gültig. Was tun? Die Reise gleich abblasen? Oder versuchen, am Schalter den Charme spielen zu lassen und irgendwie durchzukommen?

Innerhalb Europas ist es oft kein Problem, mit veralteten Dokumenten zu reisen. Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Österreich und einige weitere Länder akzeptieren Personalausweise und Reisepässe auch dann, wenn sie bis zu einem Jahr abgelaufen sind. Sicherheitshalber sollte man sich aber auch noch bei der jeweiligen Airline erkundigen, wie die Bestimmungen sind.

Pass-Ersatz in letzter Minute

Ist der Ausweis schon länger abgelaufen oder nicht mehr auffindbar, oder geht die Reise in ein anderes Land, ist auch noch nicht alles verloren. Hier kommt der Notreisepass in Frage, genauer gesagt der "Reiseausweis als Passersatz". Auch in letzter Minute bekommt man ihn bei der Bundespolizei an Fernbahnhöfen, am Flughafen und an vielen Grenzstationen. Voraussetzung ist, dass sich der Antragsteller identifizieren kann. Am einfachsten geht das mit dem abgelaufenen Ausweis, zur Not auch als Kopie. Ist das Dokument nicht aufzutreiben, reicht der Führerschein plus Geburtsurkunde. Die Kosten sind überschaubar: Für Deutsche kosten die Ersatzpapiere 8 Euro.

Bürger aus dem EU-Ausland und vielen anderen Staaten bekommen den sogenannten Notreiseausweis für Ausländer für 25 Euro. Das Procedere ist das gleiche, allerdings müssen Nicht-Deutsche ein aktuelles Passfoto einreichen und gegebenenfalls einen Nachweis, dass sie zum Aufenthalt in der EU berechtigt sind.   

Wer erst kurz vor knapp am Check-in feststellt, dass der Ausweis abgelaufen ist, hat womöglich Pech. Etwas Zeit sollte man schon einplanen, um den Pass-Ersatz zu organisieren. Man kann die Sache aber beschleunigen, indem man das Antragsformular online auf der Seite der Bundespolizei ausfüllt. Dann kann man sich das fertige Dokument vor Ort abholen. Wieder in der Heimat sollte man möglichst bald einen Termin bei der Meldebehörde machen. Der Pass-Ersatz gilt nämlich nur für die Dauer der Reise, höchstens für einen Monat.

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Mit ein paar Tagen Vorlauf kann man sich auch den "richtigen" Reisepass im Expressverfahren sichern.

(Foto: imago/fossiphoto)

Klingt alles ziemlich simpel und ist es meist auch - es sei denn, man will in ein Land einreisen, das die Passersatzpapiere nicht anerkennt. Dazu sind fremde Staaten nämlich nicht verpflichtet. Bei EU-Staaten und einigen weiteren Ländern wie Norwegen, Algerien oder Island ist das Ganze kein Problem. Kanada, die Schweiz, Serbien und andere verlangen neben dem Passersatz auch noch den abgelaufenen Lichtbildausweis. Nach Ägypten oder in die USA kommt man mit dem Ersatzdokument allerdings gar nicht. Und auch andere Länder können kurzfristig ihre Einreisebedingungen ändern und Reisende ohne "richtige" Ausweispapiere abweisen. Der Pass-Ersatz ist also wirklich nur ein Notbehelf.

Wenn noch ein paar Tage Zeit bleiben

Vorteilhafter ist es, wenn man schon einige Tage vorher feststellt, dass der Ausweis abgelaufen ist. Dann kann man womöglich noch einen ganz normalen Reisepass im Expressverfahren beantragen und so Scherereien an der Grenze vermeiden. Zwei bis fünf Werktage dauert die Ausstellung des "ePass Express" normalerweise. Sicherheitshalber sollte man sich aber vorher nochmal bei der Meldebehörde erkundigen. So warnen etwa die chronisch überlasteten Bürgerämter in Berlin, dass es durchaus länger dauern kann. Für die Express-Ausstellung werden 32 Euro Aufschlag fällig.

Ist es für die Express-Ausstellung schon zu spät, gibt es noch eine weitere Variante: den vorläufigen Reisepass, erkennbar an seinem grünen Umschlag. Er kann direkt bei der Meldebehörde mitgenommen werden, kostet 26 Euro und gilt für maximal ein Jahr. Für den Antrag sind die gleichen Unterlagen nötig wie für einen normalen Pass, also ein biometrisches Bild, der Personalausweis oder der alte Reisepass. Außerdem wichtig: ein Nachweis über die bevorstehende Reise, etwa die Buchungsbestätigung oder die Flugtickets.       

Mit dem vorläufigen Reisepass kann man in die meisten Länder reisen - mit einer Ausnahme: In die USA kommt man damit nicht, zumindest nicht ohne Visum. Der vorläufige Reisepass enthält nämlich keinen elektronischen Chip, auf dem Foto und Fingerabdrücke gespeichert sind. Dieser Chip ist für die Einreise in die USA aber nötig, wenn man am Visa Waiver Programm teilnimmt.

Und was, wenn der Pass im Ausland abhanden kommt? Dann führt der erste Weg zur Polizei, um sich den Verlust bestätigen zu lassen. Dann wendet man sich an die deutsche Auslandsvertretung im Reiseland. Dort bekommt man entweder einen vorläufigen Reisepass oder einen Reiseausweis, der zur Einreise in das Bundesgebiet berechtigt.

Quelle: n-tv.de

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