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Laute Nachbarn So können sich Mieter wehren

Kindergeschrei, lautes Stöhnen, Streit und Zigarettenqualm: Es gibt viele Dinge, die Nachbarn gewaltig nerven können. Foto: Julian Stratenschulte/Jan-Philipp Strobel/Friso Gentsch/Christoph Schmidt

Kindergeschrei, lautes Stöhnen, Streit und Zigarettenqualm: Es gibt viele Dinge, die Nachbarn gewaltig nerven können.

(Foto: dpa)

Spielende Kinder, bellende Hunde oder feiernde Studenten: Im Mietshaus wird der Lärm der Nachbarn manchmal unerträglich. Betroffene Mieter können sich allerdings wehren.

In ihrer Wohnung haben Mieter auch ein Recht auf Ruhe. Allerdings kann man in einem Mehrparteienhaus nicht immer davon ausgehen, dass alle anderen immer genau dann ruhig sind, wenn man einmal abschalten möchte. Was aber kann man gegen Lärm aus der Nachbarwohnung tun? Welche Maßnahme ist gerechtfertigt? Eine Anleitung in fünf Schritten:

Schritt 1: Mit dem Nachbarn reden

Egal, ob Tierlärm, Türenschlagen oder sonstiges Gepolter - Mieter sollten zunächst das Gespräch mit lauten Nachbarn suchen und sie um mehr Rücksicht bitten. Das empfiehlt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. "Man kann den Nachbarn kurz in die Wohnung bitten, damit er mit eigenen Ohren erlebt, wie sich Lärm in der Nachbarwohnung auswirkt", rät Ropertz.

Laute Kinder akzeptieren viele Mieter zwar. Aber auch hier kann sich ein Gespräch lohnen: "Vielleicht ist es ja doch möglich, dass Eltern mäßigend auf ihre spielenden Kinder einwirken", sagt die Rechtsanwältin Beate Heilmann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Kompromisse sind durchaus möglich: Zum Beispiel, dass die Kinder nicht gerade den Kickertisch benutzen, wenn der Nachbar Ruhezeiten einhalten muss - etwa, weil er im Schichtdienst arbeitet. "Als Anwalt hat man oft das Gefühl, das von diesen naheliegenden Möglichkeiten gar kein Gebrauch mehr gemacht wird", sagt Heilmann.

Schritt 2: Lärmprotokoll anfertigen

Wenn ein Gespräch nichts bringt, können Mieter ein Lärmprotokoll anfertigen. "Im Protokoll sollten Mieter das jeweilige Datum und die Uhrzeit festhalten, zu der eine Lärmbelästigung stattgefunden hat", erklärt Heilmann. Bei regelmäßig wiederkehrendem Lärm - beispielsweise bei heftigen Streitereien oder einem zu lauten Fernseher - genügt Heilmann zufolge schon ein Vermerk: "alle zwei Tage, jeweils ungefähr in der Zeit ab 22.30 Uhr bis in die frühen Morgenstunden hinein."

"Das Lärmprotokoll sollte zudem objektiv überprüfbar sein", rät Silvia Jörg, Leiterin des Interessenverbandes Mieterschutz in Hamburg. Deshalb sollten gestörte Mieter den Lärm vergleichend beschreiben, etwa so: "Es war so laut, dass der Fernseher lauter als Zimmerlautstärke gestellt werden musste, Gespräche in normaler Lautstärke nicht mehr möglich waren oder das Telefon überhört wurde." Hilfreich sei es, wenn weitere Nachbarn oder Besucher die Lärmstörungen als Zeugen bestätigen können und das Lärmprotokoll unterzeichnen.

Schritt 3: Vermieter einschalten

Mit dem Protokoll in der Hand kann der Vermieter den störenden Nachbarn abmahnen und auffordern, künftig keinen Krach mehr zu machen. In seltenen Fällen hat der Mieter auch Anspruch auf eine Mängelbeseitigung. Im Klartext hieße das dann: Der Vermieter muss dem störenden Nachbarn kündigen. Ohne präzise Informationen seien dem Vermieter jedoch die Hände gebunden, so Heilmann.

Schritt 4: Miete mindern

"Wenn der Lärm des Nachbarn den Wohngebrauch des Mieters beeinträchtigt, ist das ein Mietmangel, der gemäß Paragraf 536 BGB zur Mietminderung berechtigt", sagt Jörg. Beispiele dafür sind laut Ropertz Nachbarn, die jedes Wochenende durchfeiern, oder ein Heimwerker, der täglich ab 17.00 Uhr bohrt und sägt.

Unerlässlich sei in jedem Fall, dass der Vermieter über den Lärm vorher informiert worden ist. Außerdem wichtig: Eine einmalige Lärmstörung - etwa bei einem großen Familienfest - berechtigt in aller Regel nicht zu einer Mietminderung.

Schritt 5: Polizei rufen

"Bei Partylärm bis in die frühen Morgenstunden und uneinsichtigen Feiernden, die nicht mit sich reden lassen, bleibt im Zweifel nur der Anruf bei der Polizei, wenn man schlafen will", sagt Ropertz. Erscheint die Strafanzeige als einziger Weg, kann der gestörte Mieter neben der Polizei ebenso das Ordnungsamt informieren. Zudem könne der Mieter auch selbst eine zivilrechtliche Unterlassungsklage gegen den Nachbarn einreichen, so Silvia Jörg.

"Der Anruf bei der Polizei sollte wirklich das letzte Mittel sein", betont Jörg. Der Mieter sei jedoch verpflichtet, die Lärmstörungen auch beweisen und belegen zu können. Nimmt die Polizei die Lärmstörung auf, ist der Vorgang jedenfalls offiziell dokumentiert, und das kann helfen, den Lärm zu belegen.

Grundsätzlich empfiehlt Jörg Mietern, rücksichtsvoll miteinander umzugehen: "Das ehemals gute Nachbarschaftsverhältnis ist schnell gestört und oftmals nur schwer wieder zu kitten." Vielen Nachbarn sei nicht bewusst, dass sie zu laut sind. Es müsse aber niemand Lärm in der eigenen Wohnung hinnehmen.

"Mitunter sind auch Baumängel, also ein unzureichender Schallschutz, Ursache dafür, dass man jedes Wort und jeden Schritt aus der Nachbarwohnung mitbekommt", ergänzt Ropertz. Dafür sei der Vermieter verantwortlich. Über ihre Möglichkeiten sollten sich Mieter dann bei ihrem örtlichen Mieterverein informieren.

Quelle: n-tv.de, Leonhard Kehnscherper, dpa

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